Silberwurz

Dryas octopetala L.

  • Schwedisch: Fjällsippa
  • Norwegisch: Reinrose
  • Finnisch: Lapinvuokko
  • Englisch: Mountain Avens

Die Silberwurz (Dryas octopetala) gehört zur Gattung Dryas in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie ist die Landschaftsblume der schwedischen Provinz Lappland und seit 2004 Nationalblume Islands. [1]

Namensherkunft

Der Gattungsname hat seinen Ursprung in dem griechischen Wort drys, was Eiche bedeutet. [3] Wie häufig, bedeutet dies nicht, dass die Pflanze im antiken Griechenland ihren Namen bekommen hat. Die Pflanzengattung Dryas wächst nicht im Mittelmeerraum.

Vielmehr ist es die griechische Mythologie, die hier Pate stand. In der antiken Sagenwelt der Griechen gab es die Dryaden, göttliche Baumnymphen, die ihren Sitz in großen Eichen hatten. Auch der im deutschen Sprachraum genutzte Begriff Bergnymphe für die Pflanze ist der griechischen Sagenwelt entlehnt.[4]

Carl von Linné nahm ebenfalls Bezug auf die in den Eichen wohnenden Gottheiten, als er der Pflanze im 17. Jahrhundert den Gattungsnamen Dryas gab. In der Flora Lapponica von 1737 erzählt Linné: „Ich habe dieses Gewächs Dryas nach den Dryaden benannt, den in Eichen wohnenden Gottheiten, weil die Blätter eine gewisse Gleichheit mit Eichenlaub zeigen.“[5]

Es scheint, dass bei der Benennung der Dryas die vielfach berichtete Eitelkeit des verdienten schwedischen Naturforschers eine Rolle spielte. Schon vor Linnés Zeiten trug die Pflanze die Bezeichnung Chamaedrys, was so viel wie auf der Erde, niedrig (gr. chamai) wachsende Eiche (gr. drys) bedeutet und sich auf die Ähnlichkeit der zierlichen Blättchen der Silberwurz mit Eichenblättern bezieht. [6] Unbestritten ist aber Linnés Verdienst bei der botanischen Nomenklatur auch bei dieser Pflanze. So fügte er zu dem Gattungsnamen dryas das artspezifische Beiwort (Epitheton) octopetala (gr. okto, acht und petalon, Blatt) wegen der meist acht weißen Blütenblätter. In der Familie der Rosengewächse mit sonst fünfzähligen Blüten, ist dies die Ausnahme.

Der deutsche Name Silberwurz leitet sich von den filzigen, silbrig-weißen Härchen auf der Blattunterseite ab.

Beschreibung

Der kleine, immergrüne Spalierstrauch wird zwischen fünf und 15 Zentimeter hoch und kann bis zu 100 Jahre alt werden. Die kriechenden, verholzten Stämmchen der Silberwurz wachsen nicht wie üblich nach oben, sondern flach am Boden anliegend und breiten sich wie ein Teppich aus.

Die Weiße Silberwurz hat nur eine starke, tief ins Erdreich reichende Pfahlwurzel. Sie treibt keine Wurzeln aus. Durch die tiefgehenden Pfahlwurzeln spielt die Silberwurz als Stabilisator des Kalkgerölles eine bedeutende Rolle.[7]

Die bis zu drei Zentimeter kurzen, leicht eiförmigen, grundständigen Blätter sind lederartig. An der Unterseite sind sie weißfilzig behaart. Die Blätter sind am Rand gekerbt und erinnern an Eichenlaub.

Der Stängel ist blattlos und die relativ langstieligen, mit bis zu 4 cm Durchmesser recht großen Blüten sitzen einzeln an den Spitzen. Die meist acht Kronblätter sind reinweiß oder cremeweiß. Der Samen ist länglich, der lange, aufrechte Stempel ist behaart.

Ähnlich wie andere Pflanzen im Lebensraum des kurzen arktischen bzw. Hochgebirgssommers nutzt auch die Silberwurz die großen Blüten wie eine Antennenschüssel um Licht und Wärme einzufangen. Die Pflanze dreht ihre Blüten dabei immer der Sonne entgegen.[8] [9]

Die zahlreichen Griffel verlängern sich zur Reifezeit zu silbrigen, federigen Flugorganen und dienen zur Windverbreitung der Früchte.

Vorkommen

Die Silberwurz wächst arktisch-alpin auf kalkhaltigen Böden, auch oberhalb der Waldgrenze. In den nördlichen Gegenden Skandinaviens auf Zwergstrauchheiden der arktischen Tundren. Die Pflanze prägt mit anderen kälte- und windresistenten Gewächsen die artenreiche Vegetationsform der sogenannten Dryasheide. Die Silberwurz war eine der vorherrschenden Pflanzen, die nach dem Rückzug des Eises der letzten Eiszeit vor etwa 12000 bis 10000 Jahren – der sog. Späteiszeit - den Boden bedeckten. Der Zeitabschnitt am Ende des Pleistozäns wurde nach dieser Pflanze Dryaszeit benannt.[10]

Die Pflanze ist ausgesprochen genügsam, sofern sie genügend Licht bekommt. Da sie nur die wenigen Wochen außerhalb des alpinen bzw. arktischen Winters stoffwechselaktiv ist, kann die Silberwurz bis zu 100 Jahre erreichen.

Die Blütezeit dauert etwa von Juni bis August.

Textverweise

[1] vgl. Den virtuella floran - Naturhistoriska riksmuseet; URL: http://linnaeus.nrm.se/flora/landskap.html (abgerufen am 05.10.14) und
Wikipedia, den fria encyklopedin - Landskapsblommor, auf schwedisch; URL: http://sv.wikipedia.org/wiki/Landskapsblommor (abgerufen am 05.10.14)
[2] aus: Webpage of Kurt Stüber, Flora Lapponica Exhibens Plantas per Lapponiam Crescentes, secundum Systema Sexuale Collectas in Itinere Impensis (1737) Carl von Linné, URL: http://caliban.mpiz-koeln.mpg.de/linne/lapponica/index.html (abgerufen am 05.10.14)
[3] vgl. Wikipedia, die freie Enzyklpädie - Dryade; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Dryade (abgerufen am 05.10.14)
[4] vgl, dazu auch Seidelbast/Daphne, die eine mit dem Lorbeer verbundene Dryade wurde
[5] Aus Flora Lapponica von Carl von Linné (1737), in der schwedischen Übersetzung von T. M. Fries (1905). Gelesen in Den virtuella floran - Naturhistoriska riksmuseet, 27.10.10 (auf schwedisch); URL: http://linnaeus.nrm.se/flora/di/rosa/dryas/welcome.html (abgerufen am 05.10.14)
[6] vgl. dazu Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Professur für Forstbotanik: Erklaerung von botanischen Gattungsnamen der Gefaesspflanzen Europas nach nach Prof. Dr. Guido Benno Feige; WISSENSCHAFTLICHE GATTUNGSNAMEN DER GEFÄSSPFLANZEN MITTELEUROPAS UND IHRE BEDEUTUNG, G. B. FEIGE, April 1996, 3. vollständig überarbeitete und wesentlich ergänzte Auflage, Botanisches Institut und Botanischer Garten der Universität - Gesamthochschule – Essen; URL: http://www.forstbotanik.uni-freiburg.de/Forstbotanischer%20Garten/gattungserklaerung (abgerufen am 05.10.14)
[7] Alpenflora : die Verbreitetsten Alpenflanzen von Bayern, Tirol und der Schweiz (1905), Hegi, Gustav, 1876-1932; Dunzinger, Gustav, 1868-1940, URL: http://www.archive.org/details/photographisches1864etti (abgerufen am 05.10.14)
[8] vgl. dazu Polarwind.net - Dr. Pascal von Sengbusch, Naturkundliche Wanderungen in Lappland, Sommer 2007, Dr. Pascal von Sengebusch; URL: http://www.polarwind.net/dmdocuments/prospekt07a.pdf (abgerufen am 05.10.14)
[9] vgl. dazu Sibirische Mohnblume
[10] vgl. Wikipedia, die freie Enzyklpädie - Weiße Silberwurz; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fe_Silberwurz (abgerufen am 05.10.14)

Quellen

Pflanzen mit weißen Blütenfarbe

Aktualisiert am 5. Oktober 2014

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