Moosglöckchen - Linnea

Linnaea borealis L.

Das Moosglöckchen oder auch Erdglöckchen, Linnaea borealis, ist die einzige Art in der Gattung Linnaea. Die Familienzuordnung wird aktuell noch nicht einheitlich in Literatur und Veröffentlichungen wiedergegeben. Bislang wurde die Gattung in die Familie der Geißblattgewächse, Caprifoliaceae, eingeordnet. Neuerdings zählt die Gattung Linnaea zur eigenständigen Familie der Moosglöckchengewächse, Linnaeaceae. [1]

  • Schwedisch: Linnea; Synonym: giktgräs
  • Norwegisch: Linnea
  • Finnisch: Vanamo
  • Englisch: Twinflower

Name

Die erste bekannte Beschreibung der heute als Linnaea borealis bekannten Pflanze stammt aus dem Jahr 1596 und benennt die Pflanze als Campanusala serpyllifolia[2], ein Glockenblumengewächs, was wohl auf die glockenförmige Blüte zurückzuführen ist. Carl von Linné beschrieb 1732 im Tagebuch seiner lappländischen Reise die Pflanze noch als Campanula serpyllifolia, Schlangenförmige Glockenblume.[3]

Nach E. Giger erhielt die Pflanze den Namen Linnaea erstmals 1737. Der niederländische Botaniker Johan Frederik Gronovius widmete die Gattung Linneae Gron. dem schwedischen Forscher Carl von Linné . Es heißt, das zarte Moosglöckchen wäre die Lieblingspflanze von Linné gewesen und er selbst habe den niederländischen Freund, Gönner und Förderer gebeten, die Namensgebung vorzunehmen.[4]

1753 erschien die Species plantarum von Carl von Linné, in der Linné die bis heute übliche binominale Nomenklatur in der Botanik beschreibt. Hier ergänzt Linné auch erstmals das wissenschafliche Artepitheton borealis (aus den nördlichen Gebieten kommend) zum Gattungsnamen Linnae. Nach der seither geltenden Regel ist der Autor des Pflanzennamens nun Linné, weil er die Art der Linnaea borealis regelgerecht einführte. Das Moosglöckchen heißt also botanisch Linnaea borealis L.[5]

Beschreibung

Botanisch betrachtet ist Linnaea borealis ein nordisch-alpiner, bodennah wachsender, 5 bis 15 cm hoher Zwergstrauch[6] mit lang gestielten, nickenden - also mit dem Blütenoberrand nach unten weisenden - glockenförmigen, fünfteiligen, schwach rosaweißen Blüten, die meist paarweise (daher der englische Name Twinflower) an den dünnen, aufrechten Blütenstängeln sitzen und besonders nachts angenehm duften. Der Kelch besteht aus fünf grünen, am Ende spitz und schmal zulaufenden Blättern, die viele kleine braune Flecken haben können. Des weiteren besitzt das zarte Blümchen zwei kurze und zwei lange Staubblätter.

Die sehr dünnen hellbraunen Stämmchen sind bodenkriechend und können bis 2 m lang werden.

Die zarte und kleine Linnea ist härter als man glaubt; sie überwintert mit grünen runden Blättern und kann sehr alt werden. So manches Mal kleidet die Zarte einen Baumstumpf mit ihren Blüten und Blättermatten – ein schöner Anblick im moosreichen Wald.[7]

Vorkommen

Das Moosglöckchen Linnaea borealis ist eine Charakterart des zirkumpolaren, nördlichen Nadelwaldgürtels und wächst meist in schattigen Nadelwäldern mit ausreichender Moosschicht. In Mitteleuropa ist die schöne Pflanze ausgesprochen selten, in Deutschland sogar besonders geschützt.

Die zarte Pflanze blüht von Juni bis August.

Landskapsblomma - Landschaftsblume

Die Pflanze ist die sogenannte Landskapsblomma („Landschaftsblume“) von Småland in Schweden.[8] Carl von Linné ist hier in Råshult bei Älmhult geboren und aufgewachsen als Carl Nilsson Linnaeus (erst nach seiner Erhebung in den Adelsstand nannte er sich Carl von Linné). Allerdings kommt die zarte Pflanze, die w.o. erwähnt eigentlich ein Zwergstrauch ist, nur sehr selten im südlichen Småland, der Heimat von Linné, vor. Größere Vorkommen findet man in den nördlichen Landesteilen und folgerichtig sollte sie in einer der dortigen Provinzen die Landschaftsblume sein.

Der Mädchenname Linnea

Die Linnaea borealis gilt als Quelle der Namensschöpfung für den in Schweden verbreiteten weiblichen Vornamen Linnea. Auch wird dem Namen die Bedeutung „die Zarte“ zugewiesen.

In Schweden landete 2009 Linnea in der Rangliste der beliebtesten Vornamen auf Platz 8, hinter Julia und vor Wilma. Der beliebteste Mädchenname war Alice. Die norwegischen Eltern wählten 2008 den Namen sogar am häufigsten für ihre neugeborenen jente (Mädchen). Platz 2 ging dort übrigens an Emma. In Deutschland war’s Rang 184 für den nordischen Namen.[9]

Textverweise

[1] Die Familienzugehörigkeit der Gattung Linnaea wird nicht einheitlich angegeben. Wir richten uns nach den Angaben des GRIN-Netzwerkes, Taxonomy for Plants: USDA, ARS, National Genetic Resources Program. Germplasm Resources Information Network - (GRIN) Online Database. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. [URL: http://www.ars-grin.gov/cgi-bin/npgs/html/tax_search.pl?Linnaea+borealis; (abgerufen am 26. September 2014)].
Weitere Informationen zur Veränderung der Familienabgrenzungen und Gattungszuordnungen in der Familie der Caprifoliaceae fanden sich auf der website des Botanischen Gartens der Universität Tübingen und folgender [URL: http://www.botgarten.uni-tuebingen.de/tiki/tiki-index.php?page=Linnaeaceae (abgerufen am 25.10.10, mittlerweile unter dieser Adresse nicht mehr erreichbar)]
Die sonst üblicherweise als Referenz genutzte website www.floraweb.de des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) führt die Gattung Linnaea noch als Mitglied der Familie Geißblattgewächse, Caprifoliaceae [URL: http://floraweb.de/pflanzenarten/artenhome.xsql?suchnr=3436& (abgerufen am 26. September 2014)]. Gleiches gilt für „Offene Naturführer“, Bestimmungshilfen, Lehr- und Lernmaterialien zur Artenvielfalt [http://offene-naturfuehrer.de/bflor/Linnaea_borealis_L. (abgerufen am 256. September 2014)]. Außerdem Rolf Wisskirchen; Henning Haeupler: Standardliste der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Mit Chromosomenatlas von Focke Albers; hrsg. von Bundesamt für Naturschutz, Stuttgart 1998, ISBN 3-8001-3360-1.
Zur historischen Entwicklung von Nomenklatur und Systematik der Linnaea borealis kann die Promotionsarbeit von Emil Giger aus dem Jahr 1912 herangezogen werden. Sie ist innerhalb der ETH E-Collection von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich als PDF veröffentlicht: Giger, Emil. Linnaea borealis L. eine monographische Studie Emil Giger. (1912). PDF: http://e-collection.library.ethz.ch/eserv/eth:20432/eth-20432-01.pdf. (abgerufen am 26.09.14) URL: http://e-collection.library.ethz.ch/view/eth:20432 (abgerufen am 26.09.14).

[2] Giger, Emil. Linnaea borealis L. eine monographische Studie Emil Giger. (1912). PDF: http://e-collection.library.ethz.ch/eserv/eth:20432/eth-20432-01.pdf. (S. 2f., abgerufen am 26.09.14) URL: http://e-collection.library.ethz.ch/view/eth:20432 (abgerufen am 26.09.14).

[3] Vgl. Carl von Linné: Lappländische Reise, S. 89, 227. Gemini Verlag Berlin 2004, © Insel-Verlag Frankfurt am Main 1964. Die Originalausgabe erschien 1737 in Amsterdam unter dem Titel: Flora Lapponica Exhibens Plantas per Lapponiam Crescentes, secundum Systema Sexuale Collectas in Itinere Impensis. Das eingescannte Original ist im Internet zu sehen: [URL: http://caliban.mpiz-koeln.mpg.de/linne/lapponica/index.html (abgerufen am 26.09.14)]

[4] vgl. u.a. Wikipedia, die freie Enzyklopädie: http://de.wikipedia.org/wiki/Moosgl%C3%B6ckchen (abgerufen am 26.09.14) und www.stern.de: http://www.stern.de/wissen/natur/carl-von-linn233-der-namensgeber-589454.html (abgerufen am 26.09.14) und Uppsala Universitet - Linné on line: http://www.linnaeus.uu.se/online/animal/1_16.html (abgerufen am 26.09.14).

[5] vgl. dazu Wikipedia, die freie Enzyklopädie - Systema Naturae: http://de.wikipedia.org/wiki/Systema_Naturae (abgerufen am 26.09.14) und Dr. Martin Nickol M.A., FLS - Botanischer Garten Kiel: http://www.uni-kiel.de/nickol/Garten/LinnaeaBorealis.html (abgerufen am 26.09.14)

[6] Häufig wird die Linnaea borealis als Halbstrauch bezeichnet. Die Zuordnung als Zwergstrauch beschreibt E. Giger ausführlich in seiner Studie zur Linnaea. Giger, Emil. Linnaea borealis L. eine monographische Studie Emil Giger. (1912). PDF: http://e-collection.library.ethz.ch/eserv/eth:20432/eth-20432-01.pdf. (S. 6, abgerufen am 26.09.14) URL: http://e-collection.library.ethz.ch/view/eth:20432 (abgerufen am 26.09.14)

[7] Pelle Holmberg, Anders Rapp; Året–Runt–Floran, Vilda Blommor Sommar och Vinter; Prisma-Bookverlaget, Stockholm 2003

[8] Wikipedia, die freie Enzyklopädie - Landschaftsblumen in Schweden( schwedisch): http://sv.wikipedia.org/wiki/Landskapsblommor (abgerufen am 26.09.14)

[9] vgl. dazu Statistics Sweden's website: URL: http://www.scb.se/Pages/TableAndChart____258955.aspx (abgerufen am 25.10.10; nicht mehr erreichbar unter dieser Adresse) – und beliebte Vornamen: http://www.beliebte-vornamen.de/713-schwedische.htm (abgerufen am 26.09.14)

Quellen, Verweise und mehr zum Moosglöckchen

Pflanzen mit weißen Blütenfarbe

Aktualisiert am 26. September 2014

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