Skuleskogen Nationalpark

„Kein Wald ist so wild wie der Skule“

So beginnt die schwedische Schriftstellerin Kerstin Ekman ihr wunderbares Essay über den Skuleskogen und sie setzt dies fort, so dass alles beschrieben und kein Satz mehr nötig wird, um den wildesten aller Wälder zu beschreiben:


„Er liegt zwischen den Bergen und der Meeresküste, unterhalb der flachen und fremden Landschaft nördlich des Waldes. An keiner Stelle ist das Bottnische Meer so tief, sind die Inseln so bergig und hoch. Das Wasser des Meeres hat eine kalte , herbstblaue Farbe, und der rote Granit leuchtet unauslöslich unter den Attacken des Wassers auf die steilen Klippen. Der Wald wächst an schroffen Berghängen und in tiefen, dunklen Klammen. Die Moore fallen jäh ab, und die Bäche stürzen sich von einem Fall zum nächsten. (...) Lediglich die klaren Seen sind glatt, doch ihre Tiefe schneidet ins Auge.


Der Wald ist von Zeit durchzogen. Die Geröllfelder sind zu steinernen Wogen erstarrt, zu langen Brandungen gefrorener Zeit. Der rauschende Wald ist im Moor versunken und jede Moorsenke braut gärende Zeit. ....“ [1] 


Blitzlicht

  • Gemeinden (kommuner): Örnsköldsviks und Kramfors
  • Provinz (län): Västernorrlands län
  • Historische Provinz: Ångermanland
  • Lage: Küstenregion der Ostsee, 40 km südlich von Örnsköldsvik
  • Fläche: 2.360 Hektar
  • Gründung: 1984, erweitert 2009
  • Beschreibung: Eingerichtet, eine äußerst hügelige küstennahe Wald-, Fels- und Risstallandschaft in ihrem ursprünglichen Zusatnd zu erhalten, so dass sich Flora und Fauna frei entwickeln können [8].
  • Sehenswert: Kalottberge, Slättdalsskrevan (Felsschlucht), Natioalparkhaus an der E4 bei Skuleberget; Skulleskogen ist Teil des Welterbe Höga Kusten
  • Wegweiser zum Nationalpark an der E4, von Norden über Näske, von Süden über Käl
  • website: Naturvårdsverket: skuleskogen


Auf Linnés Fußspuren am Skuleberget

Am 20. Tag seiner Reise von Uppsala in die Lappmark erreichte Carl von Linné Dågstad, das heutige Docksta, und den Skulberg (Skuleberget), ein „grausam steiler und hoher Berg, (...), in welchem eine crypta oder Höhle war. Ich hatte Lust, sie zu besehen, aber die Leute sagten, dass dies wegen des Weges unmöglich wäre. Mit großer Mühe konnte ich zwei Burschen dazu bewegen, mich zu führen. Wir kletterten die Felsen hinauf, krochen, robbten, zogen uns von Stein zu Stein, (...), klammerten uns an Sträucher und vorspringende Steine mit den Händen, und hätten diese nachgegeben, was leicht möglich gewesen, wäre es actum de vita nostra [es wäre um unser leben geschehen gewesen] gewesen. (...). Ich folgte einem der Burschen ein Stück; er kroch an einem steilen Felsen über mir empor, (...), als unter den Schuhen meines Obermanns ein Fels losbrach und gerade dort niederschlug, wo ich eben noch gestanden, und zwar so gewaltig, dass Feuer und Rauch aufstiegen. (...) Endlich, vollkommen ermüdet, kamen wir vor das Höhlenloch, welches in der Mitte des Berges lag. Hier fand ich, der ich gedacht hatte, etwas besonderes zu entdecken, nicht mehr als ein Haus, das in den Berg gebaut war, wie ein Gewölb, hoch 14 pedes, breit 18 pedes, lang 22 pedes Pariser Maß [pedes/Fuss = 0,296 m].“ [4]


Heute ist die am Ostabhang, oberhalb des Naturums gelegene Kungsgrottan [Königshöhle], oder auch Rövargrottan [Räuberhöhle] genannte Höhle über einen steilen aber begehbaren Pfad gut erreichbar. Wer Linné und den beiden ihn begleitenden Burschen nacheifern möchte, kann sich am Naturum gegenüber eine Kletterausrüstung leihen und die beinahe senkrecht abfallenden Flanken zur heute 286 m hohen früheren Uferlinie des Skuleberget hochklettern. Für die Bequemen und Lahmen unter uns bietet sich von Mitte Juni bis August die Seilbahn zur Grotte an. 


Beim Parkplatz am Südeingang des Nationalparks verlassen wir nördlich von Docksta die E4 gegenüber der Abfahrt zum Naturum Höga Kusten. Wer vom Naturum kommt, überquert hier an der Kreuzung zum Naturum die E4. Über eine schmale Landstraße geht es über Käxed bis zum Parkplatz am Ende der Straße nahe der kleinen Ortschaft Käl. Seit Herbst 2010 gibt es auchden neuen, größeren Parkplatz „Entré Syd“ wenige hundert Meter hinter dem alten Abstellplatz .Die Parkplätze sind Ausgangspunkte der Wanderungen vom Süden in den Nationalpark Skuleskogen. 

Räuberwald im Zentrum der Höga Kusten

Im Kerngebiet der Höga Kusten befindet sich der Skuleskogen Nationalpark. Er wurde 1984 eingerichtet und hat eine Gesamtfläche von 2.360 Hektar. Der Nationalpark ist geprägt durch eine wilde Landschaft aus Wäldern, kleinen Seen und Bächen, die schmale Täler und tiefe, zum Teil enge, klammartige Schluchten durchfließen. Die Hälfte des Areals besteht aus felsigen Zonen und Blockhalden aus Rapakiwigranit, auf denen bis zu 600 Jahre alte Kiefern wachsen, während in den Tal- und Küstenregionen Fichten überwiegen.


Die imposanteste Sehenswürdigkeit ist wohl die nur etwa 7m breite und 100m lange [2] Schlucht Slåttdalsskrevan, mit ihren bis zu 40 Meter hohen senkrechten Wänden. Der Skuleskogen diente auch als Kulisse bei der Verfilmung von Astrid Lindgrens „Ronja Rövardotter“ (Ronja Räubertochter; die Szene, wo Mattis mit den Pferd in die Nacht reitet als er erfährt, dass Ronja weggelaufen ist).[3] 

Auf dem Höga-Kusten-Weg durch den Skuleskogen

Vom Parkplatz bei Käl bis zur Kälaviken


Eine ausgesprochen abwechslungsreiche Tour durch den Nationalpark starteten wir vom südlichen Eingang des Nationalparks auf dem Steckenabschnitt des Höga-Kusten-Weges durch den Nationalpark Skuleskogen.


Vom Parkplatz bei Käl folgen wir den orangenen Markierungen bis an einem Bohlenweg ein hölzernes Schild den Eingang zum Nationalpark anzeigt. Wenig später und 1,6 km vom Parkplatz entfernt, erreichen wir den Sandstrand der Bucht von Käl (Kälaviken). Bei unserer Rückkehr in den Abendstunden werden sich drei Zelte an dieser windgeschützten Ostseebucht verteilen. Etwas abseits steht ein Plumpsklo und Trinkwasser aus den kleinen Bächen des Nationalparks findet sich unweit. Ein idealer Platz zum Campen. 


Von der Kälaviken zum Slåttdalsberget


Wir folgen weiter den orangenen Markierungen den Höga-Kusten-Weg bergauf in Richtung Näskebodarna und zur nunmehr noch 2,8 km entfernten Slåttdalsskrevan durch das Slåttdalen. Abschnittsweise ist der steinige Pfad hier verstegt und mit Holztreppen wird versucht, den steinigen Anstieg zu erleichtern, meist jedoch wandern wir über dicke Wurzeln und Geröll.


Es wird deutlich, weshalb am Südeingang des Nationalparks eine kleine Tafel den Parkbesucher auf die durchaus anspruchsvolle Wanderung hinweist. Wir empfehlen festes Schuhwerk und im Sommer genügend Wasser. Die kleine Anstrengung belohnt der atemberaubend schöne Nationalpark mit seinen alten Fichten, den dunklen Farnen und weichen Moosen am Wegrand, den flechtenbewachsenen Geröllfeldern – eben mit einem einzigartigen Naturerlebnis zwischen Meer und Himmel.


Schwitzend und noch mehr staunend erreichen wir etwa 1,5 km hinter der Kälaviken eine Weggabelung. Geradeaus verläuft der orange markierte, direkte und kürzeste Pfad durch das Slåttdalen zur Schlucht Slåttdalsskrevan. Wir gehen hier den nach rechts abzweigenden Pfad mit den blauen Makierungen zum Slåttdalsberget oberhalb der Schlucht.


Der Slåttdalsberget ist geprägt durch seine großen Stein- und Geröllfelder (klappersten). Wie die gesamte Landschaft der Höga Kusten sind auch die unwegsamen Geröllfelder nach dem Abschmelzen des Eises entstanden [6].


Kleine, blau markierte Steinmännchen führen uns langsam ansteigend den Slåttdalsberget hinauf. Vereinzelt wachsen auf dem kargen und felsigen Hochplateau knorrige, windgebeugte Kiefern und Birken. Die kleinen Kiefern auf den Felsböden sind bis zu 500 Jahre alt. Hier und da ein Tümpel in den kleinen felsigen Mulden, umrahmt von kleinen Büscheln mit Wollgräsern. Der prächtiger Rundblick zeigt uns die Bottenküste im Osten und die westlich und nördlich gelegenen Wälder des Nationalparks. 


Abstieg in die Slåttdalsskrevan


Weiter wird unser Weg durch die blauen Steinmännchen begleitet und etwa 1.200 nach dem Abzweig vom orange markierten Pfad durch die Slåttdalen stoßen wir wieder auf die orangen Wegmarkierungen, die uns einen steilen Abschnitt hinunter zur Schucht führen. Nicht nur für Kinder ist der sehr steile aber kurze (etwa 100 m) und ungefährliche Abstieg die spannende und interessante Alternative zum beinahe ebenen Weg durch das Slåttdalen bis zur Slåttdalsskrevan. Vor uns liegt nun die imposante Schlucht in die uns eine schmale Holztreppe führt. Bevor wir uns in die kühle Schlucht wagen, genießen wir noch einmal den Blick über Land und Meer von der nahen Hochebene, die wir in wenigen Minuten auf einem markierten Pfad vom Südeingang der Schlucht erreichen.


Zurück in die nur etwa 100m lange [5] Slåttdalsskrevan bewundern wir die steil aufragenden Felswände aus rotem Nordingrå-Granit [7] (auch Roter Rapakiwi-Granit genannt) und steigen über kleine und große Felsen, die vom Verwitterungsprozess des weicheren Gesteins am Boden der Schlucht liegen geblieben sind. Außer Moosen und Flechten scheinen die dunkelgrünen Farne die einzigen Pflanzen zu sein, die im Schatten der bis zu 40m hohen Granitwände ihren Lebensraum haben. 


Prachttaucher am Tärnattvattnet


800m und eine halbe Stunde nachdem wir die Schlucht an der Nordseite verlassen haben, rasten wir am Tärnattvattnet, einem herrlich gelegenen kleinen See mitten im Wald des Nationalparks. Hier findet der Tourengeher eine perfekt ausgestattete Übernachtungshütte, Plumpsklo, Feuerstelle und einer Hütte mit Brennholz. Dazu laden die flachen, abgeschliffenen roten Felsen am Ufer bei passendem Wetter zum Sonnenbaden oder einem kleinen Schläfchen ein.


Das Tollste an diesem schönen Flecken für uns war, dass wir eine kleine Prachttaucher-Familie mit den Elternvögeln im Prachtkleid bei der Futtersuche beobachten konnten. 


"Gravrösen“ aus alter Zeit


Direkt an der Rasthütte weisen dann Schilder auf die hier abzweigenden Pfade hin. Der orange markierte Pfad geht durch dichten und hügeligen Fichtenwald zum Nordaus- und eingang des Nationalparks. Auf diesem Weg ist auch die sehr seltene Langbartflechte zu finden, die im Skuleskogen eines der letzten Verbreitungsgebiete hat. Wir folgen den blauen Markierungen nach Näskebodarna. Wer möchte kann wenige hundert Meter hinter dem Tärnattvattnet auf dieser Route einen Abstecher zur Grotte machen. Bis Näskebodarna geht es jetzt immer bergab entlang von großen Geröllfeldern, deren flechtenbewachsene Steine in einem hellen, gedämpften Grün im Sonnenlicht liegen. Unterwegs entdecken wir mehrere steinerne Grabhügel aus der Jüngeren Bronzezeit. Ein unscheinbares Holzschild am Wegesrand weist auf die „Gravrösen“ (Grabhügel) hin. In der Jüngeren Bronzezeit (1500 – 500 v.Chr.) in Strandnähe errichtet, liegen die Grabstätten aufgrund der Landhebung heute 40 bis 50 m über dem Meer im Wald zwischen Näskefjärden und Kälsviken. 


Von Näskebodarna nach Käl


In der Nähe der Grabhügel gabelt sich der Pfad erneut. Geradeaus führt der Weg nach Käl und zum Südeingang des Parks. Wir nehmen den etwa 800 m langen Umweg über Näskebodarna, wo der Wanderer in einer gepflegten Übernachtungshütte seine Ruhe finden kann. 

Der weitere Rückweg durch den alten küstennahen Fichtenwald ist recht urig, zeigt aber das Phänomen der meisten Rückwege: Er wird länger und länger und länger ... 


Am späten Abend zurück, sind wir um das Erlebnis einer tollen, manchmal anstrengenden, stets beeindruckenden Wanderung durch den Skuleskogen Nationalpark reicher, viel reicher.

Unterkunft

Tipps zu Übernachtungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer Hauptseite zum Welterbe Höga Kusten.

Anfahrt und Lage

Man erreicht den etwa 500 km nördlich von Stockholm gelegenen Nationalpark über die Europastraße 4, von Süden aus über Docksta, von Norden aus über Näske. Der westliche Eingang wird zwischen diesen Orten ebenfalls über die E 4 angefahren.


An der E 4 südlich des Nationalparks am Fuße des Skuleberget gelegen, informiert das Naturum Höga Kusten über den Nationalpark Skuleskogen und die Region der Höga Kusten. Ein Zwischenstopp im Naturum lohnt sich für alle, die mehr über das Weltkulturerbe Höga Kusten und den Nationalpark Skuleskogen wissen wollen als in den üblichen Broschüren zu finden ist. Außer Wissen gibt’s im Naturum auch leckeres Essen (vortrefflich mundete besonders der Lachs mit Sesamkartoffeln). 

Textverweise

[1] Ekman, Kerstin: Skuleskogen – der wildeste aller Wälder. In: Hanneberg, Peter und Löfgren, Rolf: Nationalparks in Schweden, Naturvårdsverket Förlag 1998; ISBN 3-00-002639-8


[2] [5] U.a. auf Länsstyrelsen Västernorrland und bei wikipedia wird angegeben, dass die Schlucht 200m lang wäre. Wir haben nicht nachgemessen, bezweifeln aber diese Angabe und schätzen die Länge der Schlucht auf etwa 100m– Hier hilft wohl nur nachmessen!


[3] Herzlichen Dank an Mirko Carls mit seiner tollen "Ronja Räubertochter Fanseite" [Seite leider nicht mehr im Netz] bei der Klärung, ob der Skuleskogen tatsächlich Drehort der wunderbaren Räubergeschichte von Astrid Lindgren war. Weiterhin beziehen sich die o.a. Angaben zum Drehort Skuleskogen und der Slåttdalsskrevan auf den Artikel "Skuleskogen", der in Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009, © 1997-2009 Microsoft Corporation, veröffentlicht wurde. Microsoft hat mittlerweile sein Online-Lexikon vom Netz genommen. 


[4] Vgl. Carl von Linné: Lappländische Reise, S. 37f, Gemini Verlag Berlin 2004, © Insel-Verlag Frankfurt am Main 1964. Die Originalausgabe erschien 1737 in Amsterdam unter dem Titel: Flora Lapponica Exhibens Plantas per Lapponiam Crescentes, secundum Systema Sexuale Collectas in Itinere Impensis. Das eingescannte Original ist als google-book im Internet zu sehen


[6] Mehr auf der offiziellen Seite des Nationalparks Skuleskogen 


[7] Mehr dazu auf www.skan-kristallin 


[8] Naturvårdsverket 

Weitere Ziele auf unserem Weg nach Norden

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Links und Quellen


Aktualisiert am 14. Februar 2015

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