Auf dem alten Postweg - Kvikkjokksleden

Der alte Postweg von Årrenjarka nach Kvikkjokk

Früher brachten die Bewohner Årrenjarkas im Frühjahr und Herbst, wenn das Eis auf dem Saggat unsicher und das Flusssystem nicht schiffbar war, die Post über die Berge Kassavare (Gássavárre) und Snjejrak (Sjnjierák) nach Kvikkjokk. Die Route des alten Postweges, der auch Kvikkjokksleden genannt wird, führt auf einem Teil seines insgesamt 21 km langen Weges von Årrenjarka nach Kvikkjokk durch das südliche Kvikkjokk-Kabla-Naturreservat.


Der Weg ist gut an einem halben Tag zu durchlaufen. Besser, Sie nehmen sich mehr Zeit, um dem alten Postweg zu folgen und die Schönheit und Stille der Hochebene zu genießen.

Zwischen dem Aufstieg auf den Stuomjäske nahe des Kassavare (Gássavárre) und dem Abstieg vom Snjejrak liegt eine abwechslungsreiche, weitgehend baumlose Hochebene von der man beste Aussichten zu den Bergen des Padjelanta und des Sareks sowie auf das Tal des Saggats hat.


Die ersten 9 km von Årrenjarka bis zum Kahlfjäll auf dem Kassavare (Gássavárre) sind in einem handlichen, kleinen Naturführer „Naturpfad“ von Thomas Öberg beschrieben. Die Broschüre erläutert 20 Informationspunkte, die Ihnen auf dem Weg begegnen. 


Galerie


Von Årrenjarka zur Brücke am Waldbach

Die Wanderung beginnt in Årrenjarka und führt nach einem Stück auf der Straße in Richtung Kvikkjokk dann auf einem schmalen Pfad entlang des Baches Årrejåkkå (Oarrejåhkå) und parallel zur Straße bis sich nach etwa zwei Kilometern der Pfad an einer kleinen Holzbrücke gabelt. Geradeaus begleitet ein unmarkierter Pfad den Årrejåkkå, rechts folgt unser Weg über die schmale Brücke dem alten Postweg. An der kleinen Holzbrücke über den Bach lohnt eine erste Rast und spätestens hier sollte im Sommer die mitteleuropäische Haut mit einem Mückenmittel gegen die stechenden Plagegeister geschützt werden.

Der Rastplatz am großen Moor

Die Gegend um die 2. Windschutzhütte auf dem Weg nach Kvikkjokk gehört zu unseren absoluten Favoriten in Lappland. Trefflich kann man hier am sich beinahe still schlängelnden Årrejåkkå die Seele baumeln lassen. Auch kehrt die Kraft wieder, um dann den steilen aber ob seines Pflanzenreichtums großartigen Anstieg zum Kassavare (Gássavárre) anzugehen.

 

Wenn Sie Geduld und Glück haben, können Sie hier den seltenen Hermelin sehen, der gerne mal von den nahen Bergen ins Tal absteigt und den wir an der Brücke über den Årrejåkkå wenig scheu und neugierig beobachten konnten.


Wenige Meter hinter der Brücke gedeiht auf dem feuchten Boden ein großer Teil der lappländischen Pflanzenwelt in einer außerordentlichen Fülle. Bevor der Weg nun steil Richtung Hochebene ansteigt, sollten Sie die Wasserflaschen an der Brücke füllen.


Zwar gibt es am Berg immer wieder je nach Jahreszeit kleinere und größere Rinnsale, aber das frische Wasser aus dem Bach lässt sich bequem einfüllen.

Auf das Kahlfjäll

Hinter der Brücke über den Årrejåkkå beginnt langsam ansteigend und dann steiler werdend der Weg auf die Hochebene am Kassavare (Gássavárre). Am Hang gibt es reichlich Wasser und Nährstoffe für Engelwurz, Milchlattich, Eisenhut, Mädesüß, Linnea, Vergissmeinnicht, Farne und viele andere mehr.

Es blüht und gedeiht im kurzen, intensiven Sommer Lapplands, der jetzt fast 24 Stunden Photosynthese ermöglicht. Wenn Sie den Anstieg geschafft haben, liegt auch die Baumgrenze hinter Ihnen. Sie liegt hier bei 800 m ü.d.M.. Für die nächsten Kilometer werden Zwergbirken, Weiden und Beeren das Pflanzenbild bestimmen.

Sie stehen nun auf dem Bergmassiv des Kassavare. Der eigentliche Gipfel liegt noch etwa 800 m zu Ihrer Linken, von wo Sie eine tolle Aussicht über das Tal des Saggat und im Nordwesten über das Gebiet um den Kuossaure haben. 

Wenn Sie ein Stück weiter die andere Richtung - nach Norden – wandern, blicken Sie auf das Kabbla-Massiv (Gábllá) und die ersten Berge des Sarek Nationalparks

Über die Hochebene zur 3. Windschutzhütte

Sie haben nun den 20. und letzten Informationspfahl des Naturpfades erreicht. Unser Weg führt weiter auf der Hochebene Richtung Westen nach Kvikkjokk. Hier oben schaffen es nur noch Pflanzen, die Kälte und Trockenheit aushalten. Im lappländischen Frühling und Sommer haben wir hier neben Beeren und Weiden u.a. den Silberwurz und an einer windgeschützten Stelle den kleinen Schnee-Enzian gesehen.

Bis zur nächsten, der dritten Windschutzhütte, bietet sich dem Wanderer ein grandioses Bild skandinavischer Fjälllandschaft. Im Frühjahr (Ende Mai, Juni) bestimmt von rotbraunen Farbtönen, im Sommer (Juli bis Ende August) vom leuchtenden Grün mit goldenen Tupfen der Goldrute und Trollblume und im Spätsommer und Herbst berauscht das flammende Rot der Beerenblätter und das Goldrot der Birkenblätter in den Niederungen die Sinne.

Den Rausch der Farben können Sie vielleicht noch auf den zwei Dimensionen ihrer Kamera festhalten und die dritte Dimension durch Ihr künstlerisches Geschick und schöne Worte den Bewunderern ihrer Fotografien vermitteln. Wird Ihnen dies auch gelingen, wenn Sie Ihren Zuhörern zu Hause „Stille“ erklären möchten? Stille, ab und zu untermalt vom eintönig, klagenden Gesang des Regenpfeifers? Am Besten, Sie nehmen Ihre Zuhörer mit auf die Wanderung. Aber, dann wär’s ja nicht mehr still!

Bis zur Windschutzhütte ist ein größeres, teils verstegtes Moorgebiet zu durchqueren. Besonders im Frühsommer ist hier wasserfestes Schuhwerk sinnvoll, oder man umgeht weiträumig die Feuchtstellen. In unmittelbarer Nähe zur Windschutzhütte, deren Feuerstelle durch einen Brand leider zerstört ist, lohnt es sich an einem kleinen Bach nochmals Wasser nachzufüllen, da es bis zum Sjnjerák keine fließenden Gewässer mehr gibt. 

Über den Sjnjerák nach Kvikkjokk

Die letzte Etappe führt uns durch lichten Birkenwald entlang zweier großer Moorseen zum Osthang des Sjnjerák. Kleine Birkenwäldchen wechseln hier mit baumlosen Heideflächen. Am Fuße des Berges, an einem flachen moorigen Tümpel, sehen wir ein hölzernes Hinweisschild auf den Lebensmittelladen in Kvikkjokk. Gut zu wissen hier oben!

Bis Kvikkjokk sind es aber noch etwa 5 km und nach einem nicht sehr steilen Anstieg sehen wir bereits die Rasthütte am kleinen Bergsee auf dem Sjnjerák. Die Echte Goldrute, die ab dem Sommer das Pflanzenbild auf dem Anstieg bestimmt, ist im Spätsommer über und über mit meist toten Fliegen und Hummeln bedeckt.

Der kleine, fast runde Bergsee auf dem Sjnjerák lädt nochmals zu einer letzten größeren Pause vor dem Abstieg nach Kvikkjokk ein. Vor einigen Jahren haben wir am Bergsee eine Truppe schwedischer Soldaten und Soldatinnen gesehen, die hier oben mit mehreren Zelten ihr Lager aufgeschlagen hatten und im kargen Terrain ihre Leibes- und sonstigen Übungen veranstalteten. Wundern sie sich also nicht hier oben die schwedische Verteidigungsbereitschaft zu treffen.

Vom Bergsee bietet sich noch einmal die Gelegenheit den nördlich gelegenen Gipfel des Sjnjerák zu erreichen. Der Gipfel ist ohne Mühen und mit wenig Steigung nach etwa 2 km erreicht. Von dort hat man einen prächtigen Blick auf die, auch im Sommer, schneebedeckten Gipfel des Sarek Nationalparks. Wer einen Blick in den Padjelanta werfen möchte und das Kvikkjokksdelta von oben sehen will, der geht den kleinen Umweg über den sogenannten Aussichtspunkt auf dem Weg nach Kvikkjokk. Wobei erwähnt werden sollte, dass der Ausblick vom Prinskullen auf das Delta viel beeindruckender und von der Licht-Farben-Konstellation weitaus fotografierfreundlicher ist. 


Der weitere Abstieg nach Kvikkjokk geht entlang von drei Raststellen über einen meist sehr steinigen Pfad durch den Bergwald. Den Ort erreichen Sie am Waldrand nahe des Zeltplatzes. 


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Aktualisiert am 15. Februar 2015