Wacholder-Widertonmoos

Polytrichum juniperinum L.

Schwedisch: Gullris

Englisch: Juniper Haircap




Name

Der deutsche Name Widerton leitet sich von „Wider-das-antun“ her. Das Widertonmoos wurde im Mittelalter in der Zauberei gerne als Gegenzauberkraft gegen den Bannzauber genutzt. [1] Das Wacholder-Widertonmoos wird auch als Wachholder-Frauenhaarmoos bezeichnet. 

Beschreibung

Das Wacholder-Widertonmoos ist ein Laubmoos aus der Gattung der Widertonmoose (Polytrichum). 


Die nadeligen Zwerge werden maximal bis 10 cm hoch und bilden kleine Rasen. Die Blätter mit nur kurz austretender rötlicher Spitze sind bis 10 mm lang. 


Das Wacholder-Widertonmoos ähnelt dem Polytrichum strictum, dem Steifblättrigen Frauenhaarmoos. Die Blättchen des Wacholder-Widertonmooses sind im trockenen Zustand jedoch locker gekrümmt und am Stängel anliegend, im feuchten Zustand abspreizend. Daneben hat es größere Sporogone und der dochtartige Rhizoidenfilz zur Verankerung im Substrat fehlt [2]. 


Im Gegensatz zu Polytrichum piliferum, dem Glashaar-Widertonmoos, besitzt es kein Glashaar (Spitze der Blätter zu einem durchsichtigen Haar ausgezogen) und hat braune Spitzen an den Blättchen, das Glashaar-Widertonmoos grüne.


Auf den roten „Moosblüten“ (Perichaetien) sitzen die Archegonien (weiblich) und Antheridien (männlich), in denen die Geschlechtszellen gebildet werden. 

Vorkommen

Das Moos ist weltweit verbreitet und kommt selbst in tropischen Gebirgen und den Hochgebirgen vor. In der Regel zieht es trockene, saure und kalkfreie Sandböden vor, wächst aber auch in ständig feuchter Umgebung.


Das Wacholder-Widertonmoos kommt im Unterschied zum Steifblättrigen Frauenhaarmoos auch in lichten Nadel- oder Laubmischwäldern und Heiden vor. 

Praktischer Gebrauch und Zauberei

„In diesem Moos sind Kräfte, die sie von Bannzauber, Schadenszauber und negativen Energien befreien können“. Daneben wird den Widertonmoosen auch verjüngende und Liebe erzeugende Kraft zugewiesen. Wenn der Glaube da ist und wie Sie dann von der Gegenzauberkraft des Widertonmooses profitieren, auch wenn Sie nicht Harry Potter höchstpersönlich sind, erfahren Sie [hier] (abgerufen am 24.09.14).


Weniger magisch waren die Vorzüge der Widertonmoose zum Dichten von Ritzen in Holzhäusern. Auch im Bootsbau wurde die Quellfähigkeit des Mooses zum Abdichten der Fugen genutzt. Wie andere Moose auch, wurde das Widertonmoos als Polstermaterial für Matratzen, Kopfkissen und Möbel verwendet. [3]

 

Carl von Linné vermerkt in seiner Lappländischen Reise die Wohltaten, die ihm eine mit Moos gefüllte Matratze bereitete:

 

„Und indem die Natur dem Menschen alles im Überfluß gegeben und ihm so gut versehen, dass ihm nichts fehlt, so hat sie ihm auch Bettzeug in der wüsten Einöde gegeben. Polytrichum prolif. maximum Vaill. Romsi Lappis, wächst hier reichlich in feuchten oder sumpfigen Wäldern ; man sticht eine Fläche aus, so groß, wie das Bett sein soll, schneidet es auch an der Unterseite ab und hebe es von der Erde weg. Es besteht zwar nicht aus Zweigen, aber es ist doch so mit radice implicatum, ut non possit auseinanderfallen. Dieses Moos ist weich, fällt nicht zu einer harten Unterlage zusammen, wenn du dich drauflegst, ja steht wahrhaftig dem schönsten Bette nicht nach. Dasselbe kannst du auch als Oberbett über dir haben. Ich würde fast sagen, dass die Oberbetten diesem hier nachgemacht sind, wenn ich jemanden wüsste, der es beschrieben hätte. Ich habe darin mit Admiration gelegen. Hoc docuit necessitas Lappis. Dieses ihr Bett können sie a latere zusammenlegen und es zu einem Bündel binden, gerade so dick, daß man es mit zwei Händen umfassen kann, uns es bis zum nächsten Abend aufheben, es mit sich führen ; mit ein wenig Wasser befeuchtet, erhält es seine frühere Elastizität zurück.“ [4] 

Textverweise

[1] Vgl. unter http://www.yerba.de/widertat/widertat_1.htm; (abgerufen am 26.08.10; mittlerweile nicht mehr im Netz)

[2] vgl. korseby-online: http://www.korseby.net/outer/flora/bryophyta/polytrichaceae/index.html (abgerufen am 24.09.14) und Wikipedia, die freie Enzyklopädie: http://de.wikipedia.org/wiki/Widertonmoose (abgerufen am 24.09.14)

[3] vgl. FRAHM, J.-P. & WIETHOLD, J. 2004. Die Moosflora des Mittelalters und der Frühen Neuzeit in Europa. – Herzogia 17: 303–324. Gelesen am 26.08.10 unter http://www.blam-hp.eu/herzogia17/24%20-%20Frahm-Wiethold.pdf (abgerufen am 24.09.14)

[4 Vgl. Carl von Linné: Lappländische Reise, S. 79f, Gemini Verlag Berlin 2004, © Insel-Verlag Frankfurt am Main 1964. Die Originalausgabe erschien 1737 in Amsterdam unter dem Titel: Flora Lapponica Exhibens Plantas per Lapponiam Crescentes, secundum Systema Sexuale Collectas in Itinere Impensis. Das eingescannte Original ist im Internet zu sehen: http://caliban.mpiz-koeln.mpg.de/linne/lapponica/index.html (abgerufen am 24.09.14) 

Weitere Informationen


Aktualisiert am 23. Februar 2015