Frühjahrslorchel

Gyromitra esculenta (Persoon) Fries 1849

Schwedisch:Stenmurkla

Norwegisch: Sandmorkel

Fnnisch: Korvasieni

Englisch: Brain mushroom; Syn. Edible gyromitra, False morel, Poisonous brain mushroom, False morel 




Name

Zusammen mit der im Herbst wachsenden, ebenfalls giftigen Gyromitra infula, die volkstümlich den Namen Bischofsmütze trägt, bildet die Frühjahrslorschel die gesamte Gattung Gyromitra. 


Der wissenschaftliche Artname „esculenta“ bedeutet so viel wie „essbar“. Wohl weil der extrem giftige Pilz abgekocht oder getrocknet als sehr wohlschmeckend galt und wie wir aus Lappland wissen, auch heute noch als köstlicher Speisepilz geschätzt wird.[1]


Weitere volkstümliche Namen im deutschen Sprachraum sind Frühlingslorchel, Frühlorchel, Giftlorchel, Lauerchen, Laurich, Speiselorchel, Stocklorchel. 

Beschreibung

Die Frühjahrslorchel (Gyromitra esculenta, früher auch Helvella esculenta) ist eine von nur zwei Arten der Gattung Giftlorcheln (Gyromitra) aus der Familie der Lorchelartigen (Helvelaceae). 


Der charakteristische, knollige Hut des Pilzes sieht verkrumpelt aus mit seinen Falten und Wülsten, und erinnert mit seinen schlauchartig gewundenen Lappen an ein Gehirn. 


Er ist etwa faustgroß, meistens breiter als hoch und unregelmäßig geformt. Die Frühjahrslorcheln sind häufig rot- bis schwarzbraun gefärbt, selten nehmen sie eine ocker bis gelbbraune Färbung an.


Innen ist der Hut weißgrau, sehr feinfilzig und voll wirr durcheinander gehender Höhlungen. Die Sporen bilden sich an der Außenseite des Hutes, dessen Sporenlager durch die gewundenen Falten vielfach vergrößert wird.


Die Frühjahrslorchel mit 1-3 cm Durchmesser hat einen kurzen, furchigen Stiel von 2 - 6 cm Länge, der weißlich bis schmutzig blass-braun gefärbt ist.


Der obere Teil geht in den meisten Fällen übergangslos in den Stiel und ist beim älteren Pilz hohl und zellig.


Das zarte, zerbrechliche Fleisch hat einen angenehmen, leicht morchelartigen Geruch und Geschmack (nicht probieren, da lebensgefährlicher Giftpilz!). Es wirkt beinahe wachsartig von weißer bis hellgrauer Farbe. Im Hut ist es sehr dünn und bildet eine bis mehrere hohle Kammern. 

Vorkommen

Die Frühjahrslorchel wächst vorwiegend im Nadelwald auf sandigen Böden, an Wegrändern und besonders gern um Nadelholzstümpfe. Wie der Name sagt, wächst sie in den Frühjahrsmonaten von Februar bis Mai, in nördlichen Gegenden auch bis in den Juni. Sie ist eine der ersten Pilze im Jahresverlauf. 

Giftigkeit

Die Frühjahrslorchel ist ein lebensgefährlicher Pilz! Vor allem rohe oder ungenügend zubereitete Pilze verursachen schwere bis tödliche Vergiftungen.


Dennoch wird der Pilz bis heute in manchen Gegenden Skandinaviens und Finnlands als Speisepilz geschätzt. Die gängige Literatur empfiehlt aber den Pilz nicht zu verzehren. Er ist ein lebensgefährlicher Giftpilz!


Das giftige Gyromitrin des Pilzes ist ein wasserlösliches Zellgift, das nicht hitzebeständig und leicht flüchtig ist. Wenn die Pilze vor dem Verzehr ausreichend getrocknet und das Kochwasser zweimal weggeschüttet wurde, soll das giftige Gyromitrin erheblich reduziert werden. Hier liegt die Betonung auf „soll“, denn selbst nach dem zweimaligen Abkochen oder Trocknung soll es schon zu ernsthaften Problemen gekommen sein, weil der Giftgehalt der Frühjahrslorchel stark schwankt und auch die individuelle Verträglichkeit gegenüber dem Gyromitrin unterschiedlich ist. Selbst die Wissenschaft ist sich uneins, ob nach Abkochen bzw. Trocknen das Gyromitrin bzw. dessen Abbauprodukt Monomethylhydrazin sich tatsächlich ausreichend verflüchtigen. Außerdem reichert sich Gyromitrin im menschlichen Körper an, sodass auch mehrere oder große Mahlzeiten zu einer Vergiftung führen können. 


Daher wird vom Verzehr des lebensgefährlichen Pilzes dringend abgeraten.[2] 


Diese in der Literatur mittlerweile gängige Sichtweise wird von manchen Pilzliebhabern, so auch von einigen unserer Bekannten in Nordschweden, nicht geteilt. Diese Vertreter des riskanten Geschmackserlebnisses schätzen den zarten, morchelähnlichen Geschmack der Lorchel und vertrauen auf die alten überlieferten Zubereitungsarten ihrer Ahnen. Dabei sollten die Pilze erst einmal gründlich getrocknet, dann in Wasser eingeweicht und anschließend 20 Minuten, besser zweimal 20 Minuten, gekocht werden. Das Kochwasser wird nach jedem Kochen weggegossen und die (zerkochten) Pilze nochmals gründlich abgespült. Wir wünschen den Gourmets ein langes, gesundes Leben.

Auch in Finnland ist die Frühjahrslorchel trotz ihres Giftes ein beliebter Speisepilz, der auch heute noch auf Märkten und in Geschäften angeboten wird. Beim Verkauf muss aber stets auf die sehr spezielle Zubereitung hingewiesen werden.[3] Seit 1884 wurden in Finnland lediglich vier tödliche Fälle von Vergiftungen durch den Verzehr des Pilzes Pilzes bekannt [ob damals alle gemeldet wurden?] In allen vier Fällen wurden rohe Pilze verzehrt.[4]


Kommt es zu einer Vergiftung durch die Frühjahrslorchel wird dies als Gyromitra-Syndrom bezeichnet und ist lebensbedrohlich. In seinem Verlauf ähnelt die Vergiftung der des Knollenblätterpilzgiftes.


Nach einer Latenzzeit von etwa vier Stunden (mitunter auch deutlich länger) kommt es zu Mattigkeit, heftigem Erbrechen, seltener zu wässrigen Durchfällen. 1-2 Tage nach Verzehr der Pilze kommen Fieber, Angstgefühl, Schwindel bis zur Bewusstlosigkeit, Versagen des Kreislaufes und Atemstörungen hinzu. Die Nieren und die Leber und auch die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) werden schwer geschädigt. Nach 3-4 Tagen kann der Tod eintreten. Überlebt man die Vergiftung, können Schäden an Leber, Nieren und Gehirn die Folge sein.

Bei einer Vergiftung ist dringend ein Notarzt zu rufen und es wird empfohlen, Pilzreste und das Erbrochene aufzuheben.[5]


In Deutschland, der Schweiz und vielen anderen europäischen Staaten ist der Verkauf der Frühjahrslorchel als Speisepilz verboten. 

Unterscheidungsmerkmale

Im Unterschied zu den verschiedenen Morchelarten erkennt man die Frühjahrslorchel an ihrem stets wabenförmigen, durch Längs- und Querleisten netzartig aufgeteilten Hut. Dagegen besitzen Lorcheln einen lappigen-, oder gehirnartig gewundenen Hut. 

Textverweise

[1] Pilzverein Augsburg Königsbrunn e.V.: http://www.pilze-augsburg.de/gifpilze,pilzgifte/09_gyromitrin_syndrom/ (abgerufen am 24.09.14)


[2] Natur-Lexikon.com: http://www.natur-lexikon.com/Texte/FM/001/00023/fm00023.html (abgerufen am 24.09.14) und Pilzverein Augsburg Königsbrunn e.V.: http://www.pilze-augsburg.de/gifpilze,pilzgifte/09_gyromitrin_syndrom/ (abgerufen am 24.09.14) und Pilze im Turiawald: http://www.marn.at/giftpilze/gyromitrin-syndrom.html (abgerufen am 24.09.14) 


[3] Krone Multimedia GmbH & Co KG, das Internet-Portal für alle Österreicher und Internet- Nutzer des gesamten deutschsprachigen Raume: http://www.krone.at/Steil/Kochbuch_mit_giftigem_Rezept_jahrelang_verkauft-Uebersetzungsfehler-Story-207507 (abgerufen am 24.09.14) 


[4] Wikipedia, die freie Enzyklpädie: http://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChjahrs-Giftlorchel (abgerufen am 24.09.14) 


[5] Informationszentrale gegen Vergiftungen, Zentrum für Kinderheilkunde, Universitätsklinikum Bonn: http://www.gizbonn.de/?id=790.html (abgerufen am 24.09.14) und ChemgaPedia - Die weltweit umfangreichste curriculare Enzyklopädie. ChemgaPedia ist die Grundlage der Produktfamilie CHEMGAROO Educational Systems von FIZ CHEMIE Berlin zur Chemie: http://www.chemgapedia.de/vsengine/vlu/vsc/de/ch/8/bc/vlu/biotoxine/mykotoxine.vlu/Page/vsc/de/ch/8/bc/biotoxine/gyromitrin.vscml.html (abgerufen am 24.09.14) 

Quellen und weitere Informationen


Aktualisiert am 23. Februar 2015