Siebenstern

Trientalis europaea L. syn. T. borealis

Schwedisch: Skogsstjärna; Synonym: Duvkulla 

Norwegisch: Skogstjerne

Fnnisch: Metsätähti

Englisch: Chickweed Wintergreen 



Der Europäische Siebenstern zählt zur Pflanzen-Familie der Primulaceae, Primelgewächse.[1] 


Er ist die Landschaftsblume der historischen schwedischen Provinz Värmland. In Deutschland ist die kleine Pflanze das Symbol des Fichtelgebirges.[2] 



Name

Den deutschen Pflanzennamen Siebenstern trägt die Pflanze wahrscheinlich wegen ihrer meist sieben Kron- und Kelchblättern und sogar sieben Staub- und sieben Fruchtblätter. Die mystische Zahl 7 setzt sich häufig selbst bei den sieben Laubblättern fort. Auch der im deutschen Sprachraum genutzte Trivialname Waldstern und der schwedische Name Skogsstjärna lassen sich durch den üblichen Wuchsort im Wald und die sternförmige Blütenform erklären.


Schwieriger und letztlich unklar ist die Namensherkunft des botanischen Gattungsnamens Trientalis. Die direkte Ableitung aus dem lateinischen trientalis für 1/3 Fuß hoch (etwa 10 cm) bezieht sich möglicherweise auf die durchschnittliche Wuchshöhe der Pflanze.[3]


Nachvollziehbarer erscheint hier aber den von Helmut Genaust beschriebenen Bezug zum lat. „triones“, den sieben hellsten Sternen (Großer Wagen) im Sternbild des Großen Bären.[4] Dass Linné sich von dem nördlichen Sternenbild inspirieren ließ, erscheint auch im Hinblick auf das meist siebenzählige Perigon und das hauptsächlich subarktische Verbreitungsgebiet der Art naheliegend. 


Es wird berichtet, dass Carl von Linné sich mehr als erfreut zeigte, bei den Blütenelementen dieser Art ein Zahlenverhältnis von Sieben zu entdecken, das bei höheren Pflanzen sehr selten zu finden ist und das er in seinen Bestimmungen noch nicht vorgefunden hatte. Im Ordnungsprinzip des Linnéschen System steht der Siebenstern in der 7. Klasse (Heptándria).


Vielleicht wird deshalb der Siebenstern als Carl von Linnés Lieblingsblume beschrieben. Wobei letzteres an anderen Orten auch dem Moosglöckchen zugeschrieben wird.


Ältere volkstümliche Bezeichnungen für den Europäischen Siebenstern sind auch Gemeiner Siebenstern, Schirm- oder Sternkraut und Meierblume. Im schwedischen wird die Pflanze auch „duvkulla“ genannt. 

Beschreibung

Die krautige, mehrjährige Pflanze wird zwischen 5 und 20 cm groß und hat unterirdische Ausläufer. 


Die 5-12, häufig sieben Blätter sitzen in einem Quirl an der oberen Stielhälfte des Stängels. Die Blätter sind haarlos, verkehrt eiförmig bis lanzettlich, dünn und ohne Blattstiel. Der Blattrand ist glatt, im vorderen Bereich des Blattes manchmal fein gezähnt. Die Farbe der Blätter variiert von einem glänzenden Grün bis zu einem matten Graugrün. Unterhalb des Blattquirls stehen wechselständig bis zu sechs kleinere Blätter; diese können aber auch ganz fehlen.[5] 


Auf dem dünnen Stängel sitzt meist eine Blüte, seltener auch zwei Blüten. Die Blüten sind weiß, manchmal leicht rosa überlaufen, mit gewöhnlich sieben, häufig auch sechs und seltener acht oder gar neun Kronblättern, meist sieben spitzen Kelchzipfeln und sieben Staubblättern, die am Grund der Krone auf einem gelben Ring sitzen. Nach der Bestäubung entsteht eine für die Primelgewächse typische Kapselfrucht, die sich mit fünf bis sieben Klappen öffnet. 

Vorkommen

Der nordische Siebenstern ist in Mitteleuropa ein Relikt aus der Eiszeit. Sein Hauptverbreitungsgebiet hat er in nordeuropäischen Wäldern. In Schweden wächst er von den äußersten Schärengarteninseln bis hinauf ins Kahlfjäll. Seine Häufigkeit nimmt in Europa von Nord nach Süd sehr rasch ab. Am wohlsten fühlt er sich in den kalten Hochlagen.


Die zarte Pflanze besiedelt gerne den Rand von Bächen und Mooren. Man findet ihn in trockenen und schattigen Laubwäldern, Fichtenmoorwäldern, an Flachmooren und Wegrändern, stets auf nährstoffarmen, sauren, kalkarmen, humosen Boden. In Deutschland ist der Siebenstern eher selten, meist in den Mittelgebirgen zu sehen. Er steht bei uns unter Naturschutz.


Der Siebenstern vermehrt sich seltener aus Samen, meist über unterirdische Ausläufer. Mit ihrer Hilfe setzt sich der Europäische Siebenstern sehr wirkungsvoll besonders auf gestörten Standorten wie Rodungsflächen nach Art der Pionierpflanzen durch.[6]


Die Blütezeit ist etwa Ende Mai bis Juli. Im nördlichen Skandinavien bzw. in extremen Klimalagen kann es sich bis 2 Monate hinausziehen, bis die kleine Pflanze auch den nördlichsten Waldboden schmückt. 

Was noch?

Wer schon mal im Fichtelgebirge war, wird vielleicht den Siebenstern als Wahrzeichen dieses deutschen Mittelgebirges kennen.

Wenig gemein mit der lieblichen Pflanze Siebenstern hat das Symbol des Siebensterns in der Zauberkunst und der Esoterik.


Der Siebenstern wurde 1908 auf Vorschlag des Värmländers August Wickström Värmlands Landschaftsblume. Wickström war Missionar in Denver, USA, und brachte die Idee der Landschaftsblume nach dem amerikanischen Modell der „State-Flower“ aus den USA über den großen Teich nach Schweden.[7] 

Textverweise

[1] Die Angaben beziehen sich auf die Einordnung von FloraWeb - Daten und Informationen zu Wildpflanzen und zur Vegetation Deutschlands, Bundesamt für Naturschutz (BfN); URL: http://floraweb.de/pflanzenarten/artenhome.xsql?suchnr=6013& (abgerufen am 27.09.14); synonym findet auch die Einordnung in die Familie der Myrsinoideae, Myrsinengewächse statt, die ansonsten eine Unterfamilie der Primulaceae, Primelgewächse ist; s. dazu u.a. GRIN-Netzwerk - Germplasm Resources Information Network (GRIN) Taxonomy for Plants: USDA, United States Department of Agriculture. Agricultural Research Service (ARS), URL: http://www.ars-grin.gov/cgi-bin/npgs/html/taxon.pl?40156 (abgerufen am 27.09.14); und Rolf Wisskirchen, Henning Haeupler: Standardliste der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands mit Chromosomenatlas von Focke Albers. Hrsg. Bundesamt für Naturschutz. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1998. ISBN 3-8001-3360-1

[2] vgl. auch Fichtelgebirge – Fotos und Informationen, URL: http://www.fichtelgebirge-oberfranken.de/ (abgerufen am 27.09.14) und Das Fichtelgebirge URL: http://www.bayern-fichtelgebirge.de/heimatkunde/046.htm (abgerufen am 27.09.14)

[3] vgl. auch Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Professur für Forstbotanik: Erklaerung von botanischen Gattungsnamen der Gefaesspflanzen Europas nach nach Prof. Dr. Guido Benno Feige; WISSENSCHAFTLICHE GATTUNGSNAMEN DER GEFÄSSPFLANZEN MITTELEUROPAS UND IHRE BEDEUTUNG, G. B. FEIGE, April 1996, 3. vollständig überarbeitete und wesentlich ergänzte Auflage, Botanisches Institut und Botanischer Garten der Universität - Gesamthochschule – Essen; URL: http://www.forstbotanik.uni-freiburg.de/Forstbotanischer%20Garten/gattungserklaerung (abgerufen am 27.09.14)

[4] s. dazu Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen; Birkhäuser Basel, 1996, ISBN 3764323906, 9783764323905.

[5] vgl. dazu Wikipedia, die freie Enzyklpädie; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Siebenstern (abgerufen am 27.09.14)

[6] vgl. dazu NatureGate - Finnlands Fauna und Flora, Siebenstern; URL: http://www.luontoportti.com/suomi/de/kukkakasvit/europaischer-siebenstern (abgerufen am 27.09.14)

[7] vgl. dazu Den virtuella floran - Naturhistoriska riksmuseet; URL: http://linnaeus.nrm.se/flora/landskap.html (abgerufen am 27.09.14) und Pelle Helmberg, Anders Rapp: Året – Runt – Floran, Vilda Blommor Sommar och Vinter; Prisma-Bookverlaget, Stockholm 2003 

Quellen und weitere  Informationen

Mehr Pflanzen mit weißer Blütenfarbe


Aktualisiert am 21. Februar 2015