Alpen-Fettkraut

Pinguicula alpina L. 1753

Schwedisch: Fjälltätört 

Norwegisch: Fjelltettegras

Fnnisch: Valkoyökönlehti 

Englisch: Alpine Butterwort



Das Alpen-Fettkraut (Pinguicula alpina) ist eine Art aus der Gattung der Fettkräuter (Pinguicula) und gehört zur Familie der Wasserschlauchgewächse (Lentibulariaceae).

Wie alle Fettkräuter ist das Alpen-Fettkraut karnivor, also eine fleischfressende Pflanze. 



Name

Im 15. Jahrhundert entdeckte man mit dem Fettkraut erstmals eine fleischfressende Pflanze, und die damalige Bezeichnung "smalz chrawt " (Schmalzkraut) deutet auf die fettartig-glänzenden, fleischigen Laubblätter ebenso hin wie die heutige Bezeichnung Fettkraut und der botanische Gattungsname Pinguicula, der sich aus dem lateinischen pinguis für fett ableitet.[1]


Eine weitere Erklärung zum Gattungsnamen leitet sich aus dem in Nordskandinavien ehedem üblichen Gebrauch der Blätter bei der Herstellung von Dickmilch ab. Darauf weisen auch der schwedische Name des Fettkrauts – (fjäll)tätört = dichtes (Berg)Kraut und die im deutschen Sprachraum anzutreffenden volkstümlichen Bezeichnungen Schmerkraut und Butterwurzel.[2][3]


Im deutschsprachigen Alpenraum werden die Fettkräuter auch als Fettblätter, in Tirol auch als Zittrochkraut bezeichnet. 


Der Artname alpina beschreibt die Hauptverbreitungsgebiete des Pinguicula alpina in gebirgigen Gebieten. 

Beschreibung

Das Alpen-Fettkraut ist eine mehrjährige, krautige Pflanze von 5 bis 20 Zentimeter Höhe.


Die fünf bis acht fleischigen, hellgrünen oft leicht bräunlichen, länglichen Blätter der kleinen Pflanze liegen in einer Rosette flach am Boden. Sie misst im Durchschnitt etwa 6 cm. Der Stängel ist blattlos. Im Jahresverlauf werden zwei verschiedene Blatttypen ausgebildet. Im Herbst wachsen die etwa 1 cm kleine, nichtkarnivoren Winterblätter. Sie sitzen eng zusammen und formen so die kälterobuste, leicht in die Erde versenkte und bewurzelte Winterknospe. Im Frühjahr treiben die Sommerblätter mit ihrer Klebefalle auf der Oberseite der Blätter. Die Pflanze passt sich damit dem (zusätzlichen) Nahrungsangebot an.


Die einzeln stehenden, weiß-gelben Blüten bestehen aus einer zweilappigen Oberlippe und der dreilappigen Unterlippe. Die mittlere Unterlippe besitzt zwei blassgelbe Flecken und einen kräftig-gelben, behaarten Schlundfleck. Diese Merkmale, z.B. die zusätzlichen Flecken, können jedoch von Standort zu Standort unterschiedlich sein. Zuweilen sind sie an allen Pflanzen besonders gut ausgeprägt, an anderen Orten können die Merkmale völlig fehlen.[4] 


Im Frühjahr treiben die Sommerblätter mit ihrer Klebefalle auf der Oberseite der Blätter. Die Pflanze passt sich damit dem (zusätzlichen) Nahrungsangebot an.



Die Klebefalle


Die klebrig-drüsige Oberseite der Blätter ist die Klebefalle der karnivoren Pflanze. Dabei sondern die kleinen tentakelartigen Drüsen auf der Blattoberfläche das klebrige Sekret ab. Kleinere und kleinste Tierchen, vor allem Insekten und kleine Spinnen bleiben bei dem Versuch, das Blatt zu überqueren, daran kleben. Die gefangenen Insekten werden durch Enzyme verdaut und in die wichtigen Pflanzennährstoffe (z.B. Stickstoff und Phosphate) zerlegt. Die gelösten Substanzen werden von kleinen sitzenden Drüsen auf der Blattoberseite aufgenommen. Das Alpen Fettkraut ergänzt dadurch die dem kargen Nährboden entnommenen Nährstoffe.[5] 


Die etwa 2 bis 2,5 cm langen Blätter sind zur Unterstützung der Verdauung sehr beweglich und können sich bis fast zur Blattmitte weit nach oben einrollen. Beim Alpen-Fettkraut ist dies deutlicher ausgeprägt als bei der Art Pinguicula vulgaris, dem Echten Fettkraut. Entlang der Blattmittelrippe befinden sich bei der alpinen Art der Fettkräuter keine Klebe- und auch keine Verdauungsdrüsen. Unter starker Sonneneinstrahlung färben sich die Blätter rötlich ein. 

Vorkommen

Die Pflanze kommt in Europa hauptsächlich in den Alpen und im subarktischen Norden Skandinaviens vor.


Das Alpen-Fettkraut mag feuchte, zumeist kalkreiche Standorte, in den Alpen bis in Höhen von 4000 m.[6] In tieferen Lagen findet man es gerne in Flachmooren. Ein außergewöhnlicher Wuchsort ist dabei auf der südschwedischen Insel Gotland.[7] Die Pflanze ist lichtbedürftig und auch ungewöhnlich trockenheitstolerant.


In Deutschland kommt neben dem Pinguicula alpina (Alpen-Fettkraut) nur das P. vulgaris (Gemeines Fettkraut) als Art der Fettkräuter vor. Das Vorkommen von Pinguicula alpina ist in Deutschland auf die Alpen beschränkt. Durch die Zerstörung ihrer Lebensräume sind beide Arten stark gefährdet.


Blütezeit im Skandinavischen Fjäll ist etwa Mai – Juli. 

Das Fettkraut und die Filmjölk

Der schwedische Name "tätört" [dichtes Kraut] deutet darauf hin, dass die Blätter der Pflanze bei der Herstellung von Dickmilch verwendet werden.


Auf seiner Reise nach Lappland wurde Carl von Linné Setzmilch [8], wie die Dickmilch auch genannt wurde, angeboten, die einen sahnig gelben Glanz hatte und mit tunnbröd [halbhartes Dünnbrot aus dem schwedischen Norden] zusammen gegessen wurde. Die Dickmilch musste sorgsam vor Gewittern bewahrt werden, da solche den sahnig, gelben Glanz zerstörten.


Carl von Linnè gibt in seiner Flora Lapponica eine Beschreibung des Verfahrens: "Die dichte Milch oder sogenannte Dickmilch der Norrländer erhält man auf folgende Weise: Einige frische, soeben gepflückte Blätter der Pinguicula [Fettkräuter], von welcher Gattung [hier dürfte die Art gemeint sein] man mag, in ein Sieb gelegt, und die soeben gemolkene, noch lauwarme Milch darübergießen." 


Heute kennt man die sämige, mild schmeckende Dickmilch als Filmjölk in Schweden. 

Textverweise

[1] Vgl. dazu: Gesellschaft für fleischfressende Pflanzen im deutschsprachigen Raum - G.F.P. e.V. und Wikipedia, die freie Enzyklopädie 

[2] Vgl. auch: Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, S. 487. 3. Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-9378-7216-7. Veröffentlicht als Googlebuch; gelesen 11.10.10 

[4] Vgl. dazu: fleischfressendePflanzen.de 

[5] Vgl. dazu: Gesellschaft für fleischfressende Pflanzen im deutschsprachigen Raum - G.F.P. e.V. und Botanische Gärten Bonn 

[6] Vgl. dazu: Wikipedia, die freie Enzyklpädie 

[7] Vgl. dazu: Den virtuella floran - Naturhistoriska riksmuseet 

[8] Vgl. Carl von Linné: Lappländische Reise, S. 88, Gemini Verlag Berlin 2004, © Insel-Verlag Frankfurt am Main 1964. Die Originalausgabe erschien 1737 in Amsterdam unter dem Titel: Flora Lapponica Exhibens Plantas per Lapponiam Crescentes, secundum Systema Sexuale Collectas in Itinere Impensis. Das eingescannte Original ist im Internet zu sehen: Webpage of Kurt Stüber 

Quellen und weitere  Informationen

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Aktualisiert am 15. Februar 2015