Sumpf-Blutauge

Potentilla palustris L.

Schwedisch: Kråkklöver

Norwegisch: Myrhatt

Fnnisch: Kurjenjalka

Englisch: Marsh Cinquefoil



„Obs! Die schönen Blüten können dich verzaubern und näher locken... achte darauf, nicht einen Schritt zu weit zu tun, der Moorboden gibt dich nicht so schnell frei ... „


Das Sumpf-Blutauge ist eine Schönheit im Moor. Sie ist die einzige Art der Gattung Fingerkräuter (Potentilla ssp.) mit den außergewöhnlichen, dunkel-rotbraunen Blüten, während andere Arten gelbe oder weiße Blüten tragen. 



Name

Die Ableitung des botanischen Gattungsnamens Potentilla wird unterschiedlich wiedergegeben. Häufig wird das lateinische potens in seiner Deminutiv-Form potentia (Macht, Kraft – wohl in Bezug zur Heilkraft der Pflanze) als Namenspatin angenommen. H. Genaust erläutert dazu abweichend die Herleitung von Tormentilla, - wie die dem Sumpfblutauge verwandte Blutwurz - P. tormentilla Scop. auch genannt wird - bzw. tormentina, das als Darmgrimmen oder Kolik übersetzt werden kann und bei deren Auftreten die Extrakte des blutroten Wurzelstocks eingesetzt wurden.[1]


Der Artname palustris (lat. „im Sumpf wachsend“) verweist auf das Vorkommen an sumpfigen Orten.


Ein wenig leichter fällt dabei die Herleitung der im deutschen Sprachraum üblichen Populärnamen Sumpfblutauge, Blutauge oder Blutaugenkraut: Der erste Wortteil im Sumpfblutauge erklärt eindeutig sein Vorkommen an feuchten und nassen Standorten.


Die Silbe Blut könnte sich sowohl von der blutroten Farbe des Wurzelsaftes als auch von der Farbe der Blütenblätter ableiten. Bei der verwandten Blutwurz, Potentilla tormentilla, war ebenfalls der rote Wurzelsaft im Deutschen namensgebend.


Der Wortteil Auge bezieht sich möglicherweise auf den nach einem Regenguss oder Morgentau verlaufenden, blutroten Pflanzensaft, der einem blutigen Auge ähnelt. Naheliegender scheint aber die Herleitung von der Form des Blütenzentrums, das an eine Pupille erinnert.[2] 

Beschreibung

Das Sumpf-Blutauge ist eine Sumpfpflanzenart aus der Gattung der Fingerkräuter (Potentilla ssp.) und zählt zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae).


Die außergewöhnlich schöne Pflanze hat ein kriechendes, verholzendes Rhizom, das bis zu 1 m lang werden kann. Die Wurzeln der Pflanzen verbinden sich im morastigen Boden miteinander und können regelrechte Teppiche bilden. Wer versucht, über diese Teppiche zu gehen, wird vielleicht nicht gleich für immer im Moor versinken, trockenen Fußes bleibt er aber sicher nicht.[3]


Schneidet man die Wurzel an oder wird sie verletzt tritt wie bei der Blutwurz (Potentilla tormentilla syn. P. erecta) ein roter Pflanzensaft aus [s. Name].


Das Sumpf-Blutauge ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die etwa 20 bis 60 Zentimeter hoch wachsen kann und deren sich nach obenhin verzweigende Stängel mehr oder weniger aufrecht, flaumig bis zottig und zuweilen drüsig behaart sind.


An den Stängeln sitzen fünf- bis siebenteilig gefiederte, fingerartige und gestielte Blätter, deren Fiedern deutlich grob gezähnt und bläulichgrün, oft rötlich überlaufen sind. Die Blätter am oberen Stängel setzen sich nur aus drei Fiedern zusammen. Sie sind nicht behaart.

Der Blütenstand ist eine endständige Doldentraube, deren Blüten meist fünfzählig, selten siebenzählig auftreten. Die fünf großen, dunkel-rotbraunen, breit-dreieckigen Kelchblätter und die kleineren, grünen Außenkelchblätter bilden den größten Teil der sichtbaren Blüte. Dagegen sind die fünf purpurfarbenen, schmalen Kronblätter nur etwa halb so groß wie die auffallenden Kelchblätter. Die 20 Staubblätter in der Mitte der Blüte sind schwarz-purpurfarben. Die zahlreichen kleinen Früchte sind glatt und glänzend; der Kelch verdickt sich zur Fruchtreife.


Zur Blütezeit wird Nektar ausgeschieden, der Fliegen, Bienen und Hummeln anlockt. 

Vorkommen

Das Sumpf-Blutauge ist in Feuchtgebieten der kühlen und gemäßigten Klimazone der Nordhalbkugel verbreitet. In Deutschland ist die Pflanze vor allem in den Moorgebieten im niedersächsischen Tiefland anzutreffen. Wegen seines Vorkommens im stark bedrohten Lebensraumtyp Moor steht die Schönheit in vielen Regionen auf der Roten Liste.


Die typische Flachwasserpflanze besiedelt vor allem nährstoffarme Moore sowie allgemein nasse, zumindest zeitweilig überflutete, mäßig saure Sumpfwiesen.


Mit Vorliebe werden offene Schlammstellen bewachsen, wo die Art mit ihrem langen „Wurzelstock“ genügend Raum hat, sich auszubreiten. Die Pflanzen wachsen häufig in die Gewässer hinein und bilden zusammen mit Seggen, Moosen und häufig Fieberklee schwimmende Teppiche auf den Mooren, die man, wie weiter oben schon erwähnt, tunlichst nicht betreten sollte.


Das Sumpf-Blutauge ist außerhalb der Blüte eine eher unscheinbare, durch die charakteristisch gezähnten Blätter aber gut zu erkennende Pflanze, die von Juni bis August zu einer außergewöhnlichen Schönheit der Moore erblüht. 

Textverweise

[1] vgl. dazu Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Birkhäuser Basel, 1996, ISBN 3764323906, 9783764323905

Henriette's Herbal Homepage;: URL: http://www.henriettes-herb.com/eclectic/madaus/potentilla-torm.html (abgerufen am 01.10.14) 


[2] vgl. dazu Garten und Pflanzen bestimmen: Gartenpflanzen & Wildpflanzen und Der Aquaristik-Laden; URL: http://www.gartendatenbank.de/wiki/potentilla-palustris (abgerufen am 01.10.14)


[3] vgl. dazu Pelle Holmberg, Anders Rapp: Året–Runt–Floran, Vilda Blommor Sommar och Vinter; Bokförlaget Prisma, Stockholm 2003

Naturhistoriska riksmuseet - Den virtuella floran; URL: http://linnaeus.nrm.se/flora/di/rosa/poten/potepal.html (abgerufen am 01.10.14) 

Weitere  Informationen

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Aktualisiert am 23. Februar 2015