Stängelloses Leimkraut

Silene acaulis L. Jacq.

Schwedisch: Fjällglim

Norwegisch: Fjellsmelle 

Fnnisch: Tunturikohokki

Englisch: moss campion




Das Stängellose Leimkraut (Silene acaulis) gehört zur Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae).


Die Blütenkelche des Stängellosen Leimkrauts sitzen auf äußerst kurzem Stiel tief eingesenkt in einem moosartigen Polster mit hell- bis dunkelroten Blüten. Auffällig überziehen diese im Frühsommer die kargen felsigen Rasenfluren des skandinavischen Fjälls mit rosafarbenen Tupfen. Ihr niedriger Wuchs trägt zum Überleben in der rauen Umgebung bei.

Name

Das Stängellose Leimkraut, nach alter Rechtschreibung auch Stengelloses Leimkraut, hat seinen deutschen Namen Leimkraut seinen Schleimstoffen zu verdanken. „Eigenartig ist, daß das Leimkraut (woher es auch seinen Namen hat) am Grunde der Blütenstengel einen Leimring absondert, der die anderen Insekten am Emporkriechen und gewaltsamen öffnen der Blüten hindert...“.[1] Der deutsche Beiname bezieht sich auf die wenig ausgebildeten, kaum sichtbaren und sehr kurzen Stängel.

 

Weitere Bezeichnungen des Stängellosen Leimkrauts im deutschen Sprachraum sind Polsternelke, Kalk-Polsternelke, Moosbleamel, Steinguckerli, Gamskraut, Rotes Mies, Alpenpolster.

 

Der botanische Gattungsname Silene bezieht sich auf Silen, einen trunksüchtigen und fettbäuchigen Begleiter des Dionysos (auch Bacchus genannt), der der Sage nach immer mit Geifer (= sialon) bedeckt war (Leimkraut).[2]  Acaulis leitet sich von caulis = Stängel ab; a-caulis bedeutet stängellos.[3]

Beschreibung

Das Stängellose Leimkraut ist eine mehrjährige, bis 3 bis 5 cm flache, teppichartige Polster bildende krautige Fjällpflanze. Die Art ist gut an das Leben auf den dem Wind ausgesetzten Hängen der Fjälls angepasst. Die meist runden Polster werden bis zu einem halben Meter breit, können aber zuweilen auch bis 2 m werden und ein Alter bis 100 Jahre erreichen.[4] Der Mittelteil des Polsters ist oft durch alte Blätterreste braun.


Die starke Hauptwurzel des Stängellosen Leimkrauts dringt fest und tief (70 – 130 cm) in den häufig felsigen Untergrund ein.


Die gegenständigen, 6–12 mm langen Blättchen sind kräftig grün, nadelförmig linealisch und am Rand behaart. Die lederartigen Nadeln liegen mit ihren zurückgebogenen Teilen dicht am Polster an.


Die wohlriechenden Blüten sind strahlig angeordnet mit fünf hellroten bis purpurnen, selten weißen Blütenblätter. Sie wachsen an den Enden der sehr kurz gestielten Stängelteile, stehen einzeln und ragen nur wenig aus dem Polster heraus. Die Blüten werden etwa 15 – 25 mm groß. Der Kelch ist becherförmig mit 10 Staubblättern, die sichtbar über die Blumenkrone herausragen.


In einem Polster können sowohl nur männliche, nur weibliche und Pflanzen mit zwittrigen Blüten auftreten. Als Besucher kommen häufig Falter, aber auch Bienen, Fliegen, Schwirrfliegen, Käfer, und sogar Hummeln.


Das Gynoeceum besteht aus drei miteinander verwachsenen Fruchtblättern.

 

Vorkommen

Die hübsche Pflanze ist auf der Nordhalbkugel in zahlreichen Unterarten bis in Höhen von 1.500 bis 3.600 Metern anzutreffen. Das stängellose Leimkraut wächst in den Alpen, den Pyrenäen, Karpaten, dem Apennin, auf der Balkanhalbinsel, Nordamerika und Mexiko. Ihr Verbreitungsgebiet im nördlichen Europa erstreckt auf die Gebirge und Tundrengebiete in Island, Grönland, Spitzbergen und Skandinavien bis zum Nordural.


Das stängellose Leimkraut blüht von Juni bis August auf sonnigen Felshängen, schotterige Stellen, an denen der Schnee liegenbleibt aber auch an sandigen Fluss- und Seeufer.  Die Pflanze ist kalkliebend.

Textverweise

[1] vgl. dazu Forgotten Books, Internationaler Entomologischer Verein. Entomologisches Jahrbuch. Vol. 5. 1908. Reprint. London: Forgotten Books, 2013. 71-2. (Original work published 1908); URL: http://www.forgottenbooks.com/readbook_text/Entomologisches_Jahrbuch_v5_1100078135/69 (abgerufen am 06.03.15) 


[2] vgl. dazu Wikipedia, die freie Enzyklopädie, Leimkräuter; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Leimkr%C3%A4uter und

Wikipedia, die freie Enzyklopädie, Silene; http://de.wikipedia.org/wiki/Silene (abgerufen am 06.03.15) und

Botanisches Institut und Botanischer Garten der Universität - Gesamthochschule – Essen, Wissenschaftliche Gattungsnamen der Gefäßpflanzen Mitteleuropas und ihre Bedeutung. G.B. Feige, Essen, April 1996; URL: https://www.uni-due.de/botanik/gattungs.html (abgerufen am 09.03.15) und

Wikipedia, die freie Enzyklopädie, Dyonysos;URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Dionysos und

Pflanzennamen aus der griechischen Mythologie. Sonderausstellung im Botanischen Garten der Universität Tübingen; von Dr. Barbara Oberwinkler. Das Originaldokument war zu finden unter http://www.botgarten.uni-tuebingen.de/tiki/tiki-index.php?page=Pflanzennamen_Mythologie. Artikel mittlerweile nicht mehr erreichbar. 


[3] vgl. dazu Botanisches Institut und Botanischer Garten der Universität - Gesamthochschule – Essen, Wissenschaftliche Artnamen der Gefäßpflanzen Mitteleuropas und ihre Bedeutung. G.B. Feige, Essen, April 1996; URL: https://www.uni-due.de/botanik/artnamen.html (abgerufen am 09.03.15) 


[4] vgl. dazu Wikipedia, die freie Enzyklopädie, Stängelloses Leimkraut; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%A4ngelloses_Leimkraut (abgerufen am 06.03.15)

Weitere  Informationen

Mehr Pflanzen mit roter, rosa oder purpurner Blütenfarbe


Aktualisiert am 9. März 2015