Rosmarinheide

Andromeda polifolia L.

Schwedisch: Rosling

Norwegisch: Kvitlyng

Fnnisch: Suokukka

Englisch: Bog-rosemary  



Auf Linnés Fußspuren

Am 24. Mai 1732 [1], dem 12. Tag seiner lappländischen Reise, begegnet Carl von Linné nahe Umeå der Rosmarienheide, die von Linné Andromeda polifolia benannt wurde:


„Chamaedaphne, Buxb. oder Erica palustris pendula, flore petiolo purpureo [Rosmarienheide] stand nun in ihrer schönsten Pracht und gab dem Morgen einen herrlichen Zierat. Ich sah, wie sie, ehe sie ausschlägt, ganz blutrot ist, aber wenn sie zu blühen anfängt, vollkommen rosafarbene Blätter hat. Ich bezweifle, dass ein Maler imstande ist, auf das Bild einer Jungfrau solche Anmut zu übertragen und ihren Wangen solche Schönheit als Schmuck zu verleihen. Keine Schminke hat das je erreicht. Da ich sie zum ersten Male sah, stellte ich mir Andromeda vor, wie sie von den Poeten abgebildet wird. Je mehr ich an sie dachte, desto mehr wurde sie mit dieser Pflanze eins. Denn wenn sich der Poet vorgenommen, sie mystice zu beschreiben, hätte er sie auf diese Art nicht besser treffen können. Andromeda wird als eine außergewöhnliche Jungfrau beschrieben, als ein Frauenzimmer, deren Wangen noch diese Schönheiten besitzt. Diese Herrlichkeit hält indes nur so lange an, als sie Jungfrau ist (wie es auch bei Frauenzimmern geschieht), id est bis sie sich entschließt, und das lässt nicht lange auf sich warten, Braut zu werden. Sie steht mitten im Wasser auf einem Grashöcker, auf der sumpfigen Wiese, gleichsam Andromeda, auf ein Felseneiland gebunden, bis an die Knie im Wasser, nämlich bis über die Wurzeln. Stets ist sie von vergiftenden Drachen und Getier umgeben, id est die hässlichen Kröten und Frösche, die hier im Frühling, wenn sie sich paaren, das Wasser nach ihr blasen. Da steht sie und lässt voller Traurigkeit ihren Kopf hängen, ihre rosenwangigen capitula florum. Die Wangen werden bleicher und bleicher, capitula pallescunt magis magisque: hinc Andromeda dixi, foliis acutis! [Die Köpfchen werden bleicher und bleicher, weshalb ich sie (spitzblättrige) Andromeda nannte]. Sie liegt halb am Boden, der Hals ist bloß, hinc carneus [deshalb fleischfarbig].“ [2] 



Name

Der Gattungsname Andromeda ist der griechischen Mythologie entlehnt. Andromeda war die Tochter des äthiopischen Königs Kepheus und seiner Ehefrau Kassiopeia. Andromeda wetteiferte mit der Göttin Juno, wer von beiden die Schönste sei.


Der Artname polifolia kommt aus dem Griechischen Polio (weiß, grau) und folium (Blatt), der Name bedeutet weiß- oder graublättrig und bezieht sich auf die blasse Blattunterseite.[3] 


Der deutsche Name Rosmarinheide bezieht sich auf die Ähnlichkeit der lanzettlichen Blätter zu den Blättern der Kräuterpflanze Rosmarin. 

Andromeda polifolia wird regional auch mit folgenden deutschen Namen benannt: Rosmarienheide, Poleirosmarinheid, Sumpfrosmarin, Gränke, Polei-Gränke, Lavendelheide, Wilder Rosmarin. 

Beschreibung

Die Rosmarinheide (Andromeda polifolia, Syn.: Andromeda rosmarinifolia) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). 


Die Rosmarinheide ist ein 15-30 cm hoher Zwergstrauch. Die lederartigen, schmal-lanzettlichen Blätter haben einen umgerollten Rand und sind auf der Oberseite dunkelgrün bis bläulich-grün und unterseits weißlich-grün. 


Die schönen Blüten der Rosmarinheide stehen in einem doldenförmigen Blütenstand aus zwei bis fünf, seltener bis acht, kleinen zartrosa Glocken. Die langgezogenen Blütenstiele und der Kelch sind etwas kräftiger rot gefärbt. 

Vorkommen

In Deutschland findet man die Rosmarinheide fast ausschließlich nur noch in den wenigen Hochmooren Norddeutschlands und den Hochmooren des Alpenvorlandes. Verbreiteter ist die Pflanze in den intakten Moorgebieten Skandinaviens und Osteuropas.


Sie ist kalkmeidend und benötigt offene, saure, feuchte Standorte. Zur Keimung benötigt sie einen Kältereiz (Kältekeimer) und Licht (Lichtkeimer).


Die Rosmarinheide blüht etwa von Mai bis Juli. 

Wissenswertes

  • Blätter und Blüten der Rosmarinheide enthalten das Kreislaufgift Acetylandromedol [4]. Die Pflanze ist giftig für Pferde, Rinder und Kühe, vor allem aber für Schafe und Ziegen 
  • Hermann Löns widmete der Pflanze sein Gedicht „Verloren“[5]
  • Von der Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen wurde die Rosmarinheide (Andromeda polifolia) zur Blume des Jahres 1991 ausgewählt

Textverweise

[1] Carl Nilsson Linnæus (erst 1756, nach seiner Erhebung in den Adelsstand, nannte er sich Carl von Linné) begann seine Reise in die Lappmark am 12. Mai 1732 nach Julianischer Zeitrechnung. Der Gregorianische Kalender wurde in Schweden erst 1753 eingeführt. Zur Zeit geht der Julianische Kalender gegenüber dem Gregorianischen um 13 Tage nach, zu Linnés Zeiten um 11 Tage. Nach heute üblicher Zeitrechnung brach Linné also am 23. Mai 1732 in Uppsala zu seiner lappländischen Reise auf. Vgl. dazu auch Ökumenische Rat der Kirchen, Dokument-Datum: 31.01.2007, Warum liegt das Osterdatum nicht jedes Jahr auf demselben Tag - wie etwa Weihnachten?; URL: http://www.oikoumene.org/de/resources/documents/commissions/faith-and-order/i-unity-the-church-and-its-mission/frequently-asked-questions-about-the-date-of-easter (abgerufen am 06.10.14)


[2] Vgl. Carl von Linné: Lappländische Reise, S. 84f, Gemini Verlag Berlin 2004, © Insel-Verlag Frankfurt am Main 1964. Die Originalausgabe erschien 1737 in Amsterdam unter dem Titel: Flora Lapponica Exhibens Plantas per Lapponiam Crescentes, secundum Systema Sexuale Collectas in Itinere Impensis. Das eingescannte Original ist im Internet zu sehen: http://caliban.mpiz-koeln.mpg.de/linne/lapponica/index.html (abgerufen am 06.10.14)


[3] Den virtuella floran - Andromeda polifolia L. - Zuweilen, insbesondere im Internet, wird der Artname polifolia mit „vielblättrig“ übersetzt. Dies ist nicht zutreffend; URL: http://linnaeus.nrm.se/flora/di/erica/andro/andrpol.html (abgerufen am 06.10.14)


[4] Spektrum.de; URL: http://www.spektrum.de/lexikon/biologie/andromedotoxin/3414 (abgerufen am 06.10.14)


[5] www.deutsche-liebeslyrik.de; URL: http://www.deutsche-liebeslyrik.de/lons_alle_gedichte.htm#g61 (abgerufen am 06.10.14) 

Weitere  Informationen

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Aktualisiert am 24. Februar 2015