Blaubeere, Heidelbeere

Vaccinium myrtillus L., syn. Myrtillus nigra Gilib.

Schwedisch: Blåbär; Synonyme: slyngon, skomakarbär 

Norwegisch: Blåbær

Fnnisch: Mustikka

Englisch: Bilberry




Name

Der Artname myrtillus bedeutet „kleine Myrthe“[1] und bezieht sich wohl auf die Ähnlichkeit der Blätter von Blaubeere und Myrthe. Keinen Bezug dürfte es zur „Maulenden Myrte“ geben, die in den Harry Potter Geschichten durch die Sanitäranlagen von Hogwarts. geistert.


Der botanische Gattungsname Vaccinium leitet sich möglicherweise aus dem lateinischen baccinium, Beerenstrauch und bacca, Beere ab. [2] Wissenschafliches Synonym zu Vaccinium myrtillus ist Myrtillus nigra Gilib.[3]


Die deutsche Bezeichnung der Blaubeere gibt einen eindeutigen Bezug zur Farbe der Beere, die Heidelbeere hat ihren Namens-Ursprung wohl in „auf der Heide wachsende Beere“.


Im deutschen Sprachraum gibt es zahlreiche regionale Bezeichnungen für die Pflanze wie z.B. Heidelbeere, Blaubeere, Schwarzbeere, Wildbeere, Waldbeere, Bickbeere, Zeckbeere, Heubeere, Pickelbeere, Mostbeere, Staudelbeere, Bickbeere, Taubeere, Moppeln (im Rheinland), Wähle (im Saarland). In Schweden wird die Blaubeere (Blåbär) auch als slyngon oder skomakarbär bezeichnet. 

Beschreibung

Die Blaubeere, Vaccinium myrtillus, gehört zur Familie der Heidekrautgewächse, Ericaceae. 


Die schmackhafte Blaubeere gehört zu den am weitesten verbreiteten und wirtschaftlich wichtigsten skandinavischen Waldbeeren. Sie ist ein mehrjähriger Zwergstrauch, der oft in großen Beständen wächst. Seine reich verzweigten, kantigen und auch im Winter grünen Stängel werden etwa 10 bis 40 cm, selten bis zu 60 cm hoch.


Die wechselständigen, ledrigen, matt-glänzenden, hellgrünen Blätter sind länglich-eiförmig und spitz. Sie sind etwa 2 bis 3 cm lang und am Rand fein gesägt. Im Spätherbst fallen Sie ab, beteiligen sich aber davor mit ihrer leuchtend roten Herbstfärbung an der faszinierenden skandinavischen Variante des Indian Summers.


Die Blaubeere blüht im Frühjahr (je nach Region zwischen April und Juni) zusammen mit dem Austreiben der Blätter. Die eher unscheinbare rötliche Blüte ist krugförmig, nickend und höchstens einen Zentimeter lang. Sie sitzt einzeln in einer Blattachsel. Die grünlich-weiße, meist aber blassrosa Krone ist an der Spitze vier- oder fünfteilig verwachsen. In der Blüte sitzen vier oder acht Staubblätter. Aus der geöffneten Blütenkrone ragt der Griffel. Die Blüten werden vor allem von Bienen und Hummeln besucht.


Die saftigen, erbsengroßen Beeren reifen im Juli, August. Sie sind normalerweise dunkelblau bis schwarz, wachsartig glänzend. Als reife Beeren sind sie blaugrau bereift. Selten tragen die kleinen Sträucher schmutzig weiße Beeren. Der Saft der Beeren ist kräftig rot. 


Die Pflanze breitet sich vegetativ mit Hilfe ihrer unterirdischen Triebe aus. Im Winter benötigen die Blaubeeren eine ausreichend hohe Schneedecke, da sonst der oberirdische Trieb erfriert. Der Wurzelstock bleibt davon in aller Regel verschont und treibt im Frühling wieder aus. Die Pflanze kann bis zu 30 Jahre alt werden.[4]


„Von der Amerikanischen Heidelbeere (Vaccinium corymbosum) unterscheidet sich die eurasische Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) dadurch, dass [...] sie durch und durch blau gefärbt ist. Bei der seit etwa 1900 aus der Amerikanischen Heidelbeere gezüchteten Kulturheidelbeere befinden sich die Farbstoffe nur in der Schale, weshalb diese ein helles Fruchtfleisch aufweist und keine „blauen Zähne“ verursacht. Außerdem ist die Kulturheidelbeere doppelt bis mehrfach so groß wie die echte Heidelbeere und schmeckt weit weniger aromatisch als die Wildfrüchte.“[5] 

Vorkommen

Die Blaubeere gehört zu den häufigsten Pflanzen der skandinavischen Nadelwälder. Besonders in Fichtenwäldern und Fichtenmoorwäldern und in Lappland auf Fjällheiden wächst sie. 


Blütezeit: Mai–Juli. Die Früchte sind etwa von Ende Juli bis Anfang September reif. 

Verwendung

In der Küche

 

Die Blaubeeren ziehen im Sommer viele Sammler in den Wald und auf die Bergheiden Lapplands, wo es riesige Vorkommen dieser schmackhaften und gesunden Beeren gibt. Manche, besonders gewerbsmäßige Sammler, sieht man dann mit ihren engzinkigen Rechen, die auch Blaubeerkamm, Heidelbeerkamm oder Raffel genannt werden, die blau-schwarzen Beeren von den kleinen Sträuchern streichen. Diese Sammelmethode ist zwar effektiv, allerdings werden dabei auch unreife Beeren geerntet und vor allem die Blätter der Pflanze abgerissen. Die kleinen Sträucher sehen nach der Ernte mit den Rechen mit ihren dann kahlen, blattlosen Ästchen erbärmlich aus. Hinweise zum Sammeln und Informationen zu Sammelgefäßen und Techniken finden Sie auf der website von Arktiset Aromit ry (Arktische Aromen).[6] 

 

Die Blaubeeren, wie auch alle anderen Wildbeeren, sind nach dem schwedischen Allemansrätt (Jedermannrecht, Recht auf Gemeingebrauch in den nordischen Ländern außer Dänemark) Eigentum aller, so lange sie mit Rücksicht auf die Natur geerntet und gepflückt werden.[7] Beerenpflücken in geringem Umfang ist außerdem steuerfrei. 

 

Wer die leicht herben, aromatischen Früchte nicht an Ort und Stelle isst, kann daraus Kompott, Marmelade, Pasteten, Kuchen, Suppen, Konfitüren, Gelees und Säfte machen. Sehr lecker schmecken die Blaubeeren auch zu Pfannkuchen Auch Wein oder Ansatzbranntwein lassen sich aus den Blaubeeren herstellen.

 

Fleisch und Saft der Blaubeere sind von kräftig purpurner Farbe und ein Kindervers aus meiner saarländischen Heimat besingt die färbende Wirkung des Blaubeer-/Heidelbeeresaftes eindeutig: „Wähle, Wähle, Heidelbeere, wer will sich die Schniss verschmeere …“. Wähle steht hier als mundartliches Synonym für die Blaubeere, Schniss ist die moselfränkische Form für Mund.

 

Für die purpurne Färbung von „Schniss“ und Zähnen sind die enthaltenen Anthocyane verantwortlich. Den Anthocyanen in der Blaubeere werden auch antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben.[8]

 

Die wild wachsenden Blaubeeren sind zwar kleiner als die kultivierten Arten, schmecken aber deutlich aromatischer als die gezüchteten Formen. 

 

 

In der Heilkunde

 

Frische Blaubeeren enthalten viele gesunde Inhaltsstoffe wie Vitamin C und E, Magnesium, Ballaststoffe, Riboflavin (ein B-Vitamin) und Karotin,.[9]

 

Die Anthocyane, sekundäre Pflanzenstoffe, sind für die blaue Färbung der Blaubeere verantwortlich. Sie schützen die Pflanzen vor der UV-Strahlung und sind im Wesentlichen in den Schalen zu finden. Das Vorkommen der Anthocyane in der Blaubeere und die ihnen zugeschriebene Heilwirkung der enthaltenen Antioxidantien haben die Blaubeere heute als sogenanntes Functional Food in Mode gebracht.[10] Die getrockneten Bestandteile der Beere werden von der Pharmaindustrie und Lebensmittelbranche zu Vitaminpräparaten und Nahrungsergänzungsmitteln verarbeitet.

 

Produkte aus getrockneten Blaubeeren werden wegen ihrer beruhigenden Wirkung bei unspezifischen, nicht länger andauernden Problemen im Magen- und Darmtrakt wie z.B. Reisedurchfall genutzt.

 

Frische Beeren regen mit ihren Fruchtsäuren die Verdauung an und wirken eher abführend. Blaubeeren helfen auch das Immunsystem zu stärken. Positive Wirkungen bei Herz-Kreislaufproblemen und auf den Cholesterinspiegel werden nachgesagt, sind aber noch nicht ausreichend belegt. Wohlgemerkt bezieht sich dies auf den Genuss frischer Beeren.

 

Blaubeersaft wirkt daneben auch fiebersenkend und soll mit seinem Inhaltsstoff Lutin britischen Piloten vor Nacheinsätzen während des 2. Weltkriegs gegen Nachtblindheit geholfen haben.[11] Neuere Ergebnisse zeigen, „dass Anthocyanoside der Blaubeere bei Netzhauterkrankungen und Sehstörungen helfen, so zum Beispiel das Hell-Dunkel-Sehen verbessern. Hierbei erwiesen sich jedoch nur hochkonzentrierte Extrakte als wirksam.“[12]

 

Die Verwendung der Blätter, z.B. für Tees, wird vom Bundesgesundheitsamt nicht empfohlen. So kann es durch Überdosierung und Dauergebrauch der Blätter Übelkeit und Erbrechen und zu einer sogenannten Hydrochinonvergiftung kommen. [13]

 

Bei der Quellensichtung fällt auch bei der Blaubeere auf, dass die Pflanzenheilkunde vieles und noch viel mehr an Heilwirkungen der unschuldigen Pflanze zuschreibt. Fragen Sie auch hier den Arzt Ihres Vertrauens. Mit Verlaub sei hier nicht auf den Berufsstand des Apothekers verwiesen, in dessen Regalen sich verkaufs- und gewinnfördernd zahlreiche Präparate aus der pflanzlichen Heilkunde befinden. Vielleicht gibt es aber auch Apotheker, die eine umfassende und neutrale Beratung anbieten. Wer sich zu diesem umfassenden Thema informieren möchte, findet einen guten Einstieg bei Stiftung Warentest [13], einem interessanten Artikel von Claudia Schramm [14] sowie in einem spannenden Artikel im Umfeld der SWR-Fernsehsendung Die Vitaminfalle.[15] 

Sonstiges

Die grünen Stängel der Blaubeere sind im Winter eine wichtige Futterquelle für Auerhuhn, Fuchs und andere Tiere, die nicht an höhere Pflanzentriebe herankommen.


Die kleine norddeutsche Stadt Eggesin am Stettiner Haff in der Ueckermünder Heide bezeichnet sich selbst als die „Blaubeerstadt“. Hier steht seit 2002 ein Denkmal zu Ehren der Blaubeere. Jährlich im Juli findet dort das Blaubeerfest statt.[16] 

Textverweise

[1] [3] Den virtuella floran - Naturhistoriska riksmuseet; URL: http://linnaeus.nrm.se/flora/di/erica/vacci/vaccmyr.html (abgerufen am 05.10.14) 


[2] [4] [5] [9] Wikipedia, die freie Enzyklpädie - Heidelbeeren; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Heidelbeeren#cite_note-0 (abgerufen am 05.10.14)


[6] Arktiset Aromit ry (Arktische Aromen) - Finnischer Verband für den Naturproduktebereich; URL: http://www.arktisetaromit.fi/de/info/beeren/hinweise+zum+sammeln/ (abgerufen am 05.10.14) 


[7] vgl. dazu Wikipedia, die freie Enzyklpädie . Jedermannsrecht; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Jedermannsrecht (abgerufen am 05.10.14) und

Naturvårdsverket - Die schwedische Naturschutzbehörde; URL: http://www.naturvardsverket.se/allemansratten/ (abgerufen am 05.10.14) 


[8] [14] Lebe weise, Claudia Schramm: Myrtillus-Beeren und wie wir für dumm verkauft werden; URL: http://lebe-weise.de/2006/11/myrtillus-beeren-und-wie-wir-fuer-dumm-verkauft-werden/ (abgerufen am 05.10.14)


[10] vgl. dazu MK-Vital; URL: http://www.myrtillus-beeren.de/ (abgerufen am 05.10.14)


[11] vgl. apotheken umschau.de - Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG; URL: http://www.apotheken-umschau.de/heilpflanzen/heidelbeere (abgerufen am 05.10.14)


[12] Weitaus unverträglicher und problematischer sind die Verwendung von Blättern der Bärentraube und der Preiselbeere, die einen deutlich höheren Anteil an Arburin enthalten als die Blaubeere. Vgl. Webseiten der Studierenden der Universität - Hydrochinon-Versuch.pdf, veröffentlicht unter http://www.students.uni-mainz.de/mprause/seminare/PB3/01-07%20Hydrochinon-Versuch.pdf (abgerufen am 16.10.10, mittlerweile nicht mehr öffentlich unter dieser Adresse zugänglich) und 

Arznei-Telegramm - der Informationsdienst für Ärzte, Apotheker und andere Heilberufe und PTA-Forum, Die Heidelbeere, Pflanzenkraft gegen Diarrhö; URL: http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=2733 (abgerufen am 05.10.14)


[13] vgl. test.de - Stiftung Warentest, Alternative Heilmethoden > Pflanzenheilkunde 


[15] vgl. SWR-Archiv: Die Vitaminfalle, Machen künstliche Vitamine krank?; URL: http://archiv.raid-rush.ws/t-723586.html (abgerufen am 05.10.14)


[16] siehe website der Stadt Eggesin; URL: http://www.eggesin.de/ (abgerufen am 05.10.14) 

Weitere  Informationen

Mehr Pflanzen mit roter, rosa oder purpurner Blütenfarbe


Aktualisiert am 23. Februar 2015