Beinbrech, Moorlilie

Narthecium ossifragum L.  Huds.

Schwedisch: Myrlilja

Norwegisch: Rome

Englisch: Bog Asphodel



Der Beinbrech wurde von der Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt zur Blume des Jahres 2011 gewählt. 



Name

Der botanische Gattungsname Narthecium leitet sich ab vom griechischen narthex für Stab und bezieht sich auf den lang gezogenen Blütenstand der Pflanze. Der Artname ossifragum ist eine Ableitung aus den lateinischen Begriffen ossa für Knochen und fraga für brechen, ähnlich dem deutschen Trivialnamen Beinbrech.[2]


Die Pflanze soll in früheren Zeiten für Knochenbrüche beim Weidevieh verantwortlich gemacht worden sein. Dabei bestand der Zusammenhang zu den Knochenbrüchen beim Vieh wohl eher darin, dass die Tiere auf kalkarmen Wiesen weideten und der auffallende Beinbrech, Narthecium ossifragum, auf diesen Böden recht häufig vorkam. Der geringe oder fehlende Kalkgehalt im Boden konnte dann zu einer unzureichenden Knochenbildung und damit zu Knochenbrüchen führen. Die Menschen glaubten, dies komme daher, weil ihr Vieh den Beinbrech gefressen habe.[3]


Eine andere Auslegung erklärt den Namen dadurch, dass der Beinbrech an sehr nassen, tiefgründigen Stellen wächst, wo das Vieh leicht einbrechen könnte. Eine weitere Variante besagt das Gegenteil und mit einer Salbe aus Beinbrech sollten Knochenbrüche geheilt werden.[4]

Welche der Erklärungen richtig sind, weiß man heute nicht mehr und wem das zu kompliziert ist, dem bleibt das unmissverständliche, schöne Synonym Moorlilie. 


Andere volkstümliche Namen im deutschen Sprachraum sind Ährenlilie, Moor-Ährenlilie,Heidgras, Egelgras, Schusterknief (Schustermesser) oder Stablilie. 

Beschreibung

Der Beinbrech, auch Moorlilie, Ährenlilie, Mohr-Ährenlilie oder Gelbe Moorlilie ist eine prächtige gelbblühende Art aus der Gattung Narthecium in der Familie Nartheciaceae.[1]


Der mehrjährige Beinbrech mit seinem leicht klebrigen starr aufrecht stehenden rotfarbigen Stängel kann 10 bis 30 cm hoch wachsen. Typisch für die Pflanze ist der dünne, kriechende Wurzelstock als Überdauerungsorgan.


Die drei bis sechs unteren mit deutlichen Längsnerven ausgestatteten, kräftig grün bis braungrünen Blätter sind schwertförmig und ungestielt.


Die 5 bis 8 cm langen Blütenstände sitzen in endständigen, lockeren Trauben, die bis zu 25 Blüten enthalten. Die sechs Hüllblätter der 1 bis 1,5 cm großen dreizähligen Blüten sind innen gelb und außen grünlich. 


Die Moorlilie besitzt flaumig, gelb behaarte Staubfäden sowie orange bis rot leuchtende Staubgefäße, die damit Insekten anlockt. Die drei Fruchtblätter sind zu einem dreikammerigen, oberständigen Fruchtknoten verwachsen.


Die Pflanze riecht zur Blüte sehr angenehm nelkenartig. Nach der Blüte verfärbt sich der Blütenkopf dunkelorangerot und bildet dünnwandige, ovale Kapselfrüchte aus. 

Vorkommen

Der Beinbrech, der überwiegend im Juli und August blüht, bevorzugt feuchte bis nasse, , nährstoffarme, saure, torfige Sumpf- und Moorböden. Mit der Wahl zur Blume des Jahres 2011 will die Loki Schmidt Stiftung den bei uns gefährdeten Beinbrech (Rote Liste 3), seinen gefährdeten Lebensraum, das Moor, und dessen unterschätzte Bedeutung für den Klimaschutz ins öffentliche Bewusstsein rücken.[5]


Sein Hauptverbreitungsgebiet liegt in den atlantischen Klimaregionen Mittel- und Nordeuropas; sehr selten in den Mittelgebirgen und Moorregionen östlich des Rheins. 

 

Blütezeit ist etwa Juli bis August, in klimatisch gemäßigten Regionen liegt die Blüte früher. 

Textverweise

[1] Früher gehörte der Beinbrech zur Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Neuerdings wird die Gattung Narthecium einer eigenen Familie, der Familie Nartheciaceae, zugeordnet. 

Die Familienzugehörigkeit der Gattung Narthecium wird nicht einheitlich angegeben. Wir richten uns nach den Angaben des GRIN-Netzwerkes, Taxonomy for Plants: USDA, ARS, National Genetic Resources Program. Germplasm Resources Information Network - [GRIN] Online Database. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. (3. October 2014).

Eine kleine Auswahl der unterschiedlichen Zuordnung geben wir nachfolgend wieder. Stand der Literatursichtung 01.11.10 / aktualisiert am 03.10.10:

[GRIN] Taxonomie For Plants gibt als Familiezugehörigkeit Nartheciaceae (Moorliliengewächse) an. Eine weitere Listung der Art Narthecium ossifragum (L.) Huds. wird für die Familien Liliaceae und Melanthiaceae angegeben. URL: http://www.ars-grin.gov/cgi-bin/npgs/html/tax_search.pl?Narthecium+ossifragum (abgerufen am 03.10.14) 

Ebenfalls in die Familie Nartheciaceae (Moorliliengewächse) ordnet Den virtuella floran - Naturhistoriska riksmuseet ein; URL: http://linnaeus.nrm.se/flora/mono/narthecia/narth/nartoss.html (abgerufen am 03.10.14) 

FloraWeb - Daten und Informationen zu Wildpflanzen und zur Vegetation Deutschlands; Bundesamt für Naturschutz (BfN) [URL: http://www.floraweb.de/pflanzenarten/artenhome.xsql?suchnr=3833, abgerufen am 03.10.14) und BIOLFLOR - Eine Datenbank mit biologisch-ökologischen Merkmalen zur Flora von Deutschland [URL: http://www2.ufz.de/biolflor/taxonomie/taxonomie.jsp?ID_Taxonomie=2062, abgerufen am 03.10.14] ordnen die Pflanze in die Familie Liliaceae, Liliengewächse.

In der Laudatio für die Blume des Jahres 2011 [URL: http://www.loki-schmidt-stiftung.de/downloads/blumen_des_jahres_pdfs/Blume_des_Jahres_2011.pdf (abgerufen am 03.10.14)] heißt es wiederum: „Die Pflanze galt lange als Lilienart. Heute wird sie zu den Germergewächsen [(Melanthiaceae] gerechnet“, einer Pflanzenfamilie in der Ordnung der Lilienartigen (Liliales).

 

[2] vgl. dazu auch Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Birkhäuser Basel, 1996, ISBN 3764323906, 9783764323905.

 

[3] vgl. dazu auch Wikipedia, die freie Enzyklpädie – Moorlilie; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Moorlilie (abgerufen am 03.10.14)

 

[4] [5] Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt; URL: http://www.loki-schmidt-stiftung.de/downloads/blumen_des_jahres_pdfs/Blume_des_Jahres_2011.pdf (abgerufen am 03.10.14) 

Weitere  Informationen

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Aktualisiert am 24. Februar 2015