Echtes Fettkraut

Pinguicula vulgaris L.

Schwedisch: Tätört

Norwegisch: Tettegras

Fnnisch: Siniyökönlehti

Englisch: Common Butterwort 



Das Echte Fettkraut (Pinguicula vulgaris) ist eine Art aus der Gattung der Fettkräuter (Pinguicula) und gehört zur Familie der Wasserschlauchgewächse (Lentibulariaceae).


Wie alle Fettkräuter ist das Echte Fettkraut karnivor, also eine fleischfressende Pflanze. 



Name

Im 15. Jahrhundert entdeckte man mit dem Fettkraut erstmals eine fleischfressende Pflanze, und die damalige Bezeichnung smalz chrawt (Schmalzkraut) deutet auf die fettartig-glänzenden, fleischigen Laubblätter ebenso hin wie die heutige Bezeichnung Fettkraut und der botanische Gattungsname Pinguicula, der sich aus dem lateinischen pinguis für fett ableitet.[1]


Eine weitere Erklärung zum Gattungsnamen leitet sich aus dem in Nordskandinavien ehedem üblichen Gebrauch der Blätter bei der Herstellung von Dickmilch ab. Darauf weisen auch der schwedische Name des Fettkrauts –tätört = dichtes (Berg)Kraut und die im deutschen Sprachraum anzutreffenden volkstümlichen Bezeichnungen Schmerkraut und Butterwurzel hin.[2]


Im deutschsprachigen Alpenraum werden die Fettkräuter auch als Fettblätter, in Tirol auch als Zittrochkraut bezeichnet. Andere Namen im deutschen Sprachraum sind Gewöhnliches, Gemeines oder Blaues Fettkraut.


Der Artname vulgaris steht für die gewöhnlich, allgemein auftretende Art. 

Beschreibung

Das Echte Fettkraut ist eine mehrjährige krautige, 10 bis 20 Zentimeter hohe Pflanze.


Die fünf bis acht fleischigen, hellgrün bis rötlichen, länglichen Blätter der kleinen Pflanze bilden eine flach am Boden liegende Rosette mit bis zu 6 cm Durchmesser. Kleine Tierchen, meist Insekten und kleine Spinnen, verfangen sich beim Versuch die Blattoberseiten zu überqueren und bleiben auf der klebrigen Oberseite der Blätter hängen. Durch Enzyme werden sie dann von der kleinen Pflanze verdaut.


Die Blattränder sind leicht nach oben gebogen und beweglich. Sie können sich bis fast zur Blattmitte weit einrollen. Unter starker Sonneneinstrahlung färben sich die Blätter rötlich ein.


Im Jahresverlauf werden zwei verschiedene Blattarten ausgebildet. Im Herbst wachsen die etwa 1 cm kleinen, nichtkarnivoren Winterblätter. Sie sitzen eng zusammen und formen so die kälterobuste, leicht in die Erde versenkte und bewurzelte Winterknospe. Im Frühjahr treiben die Sommerblätter mit ihrer Klebefalle auf der Oberseite der Blätter. Die Pflanze passt sich damit dem (zusätzlichen) Nahrungsangebot an.


Die einzeln stehenden, violett-blauen bis rot-violetten Blüten bestehen aus einer zweilappigen Oberlippe und der dreilappigen Unterlippe. Die mittlere Unterlippe besitzt einen behaarten, weißen Schlundfleck, die Blumenkrone hat einen schmalen Sporn. 

Die Klebefalle

Die klebrig-drüsige Oberseite der Blätter ist die Klebefalle der karnivoren Pflanze. Dabei sondern die kleinen tentakelartigen Drüsen auf der Blattoberfläche das klebrige Sekret ab. Kleinere und kleinste Tierchen, vor allem Insekten und kleine Spinnen bleiben bei dem Versuch das Blatt zu überqueren daran kleben. Die gefangenen Insekten werden durch Enzyme verdaut und in die wichtigen Pflanzennährstoffe (z.B. Stickstoff und Phosphate) zerlegt. Die gelösten Substanzen werden von kleinen sitzenden Drüsen auf der Blattoberseite aufgenommen.[3] 

Vorkommen

Die Pflanze findet sich in fast allen Ländern Europas (inklusive Grönlands), in Russland, den USA und Kanada. Es ist neben dem Alpen-Fettkraut das einzige Fettkraut, das auch in Deutschland vorkommt.


Das Echte Fettkraut schätzt nasse, saure Böden, ist aber kalkverträglich, liebt nährstoffarme Moore und Moorwälder sowie Quellen und Quellläufe.


Blütezeit im Skandinavischen Fjäll ist etwa Mai – Juli. 

Das Fettkraut in der Filmjölk

Der schwedische Name "tätört" [dichtes Kraut] deutet darauf hin, dass die Blätter der Pflanze bei der Herstellung von Dickmilch verwendet werden.


Auf seiner Reise nach Lappland wurde Carl von Linné Setzmilch[4], wie die Dickmilch auch genannt wurde, angeboten, die einen sahnig gelben Glanz hatte und mit tunnbröd [halbhartes Dünnbrot aus dem schwedischen Norden] zusammen gegessen wurde. Die Dickmilch musste sorgsam vor Gewittern bewahrt werden, da solche den sahnig, gelben Glanz zerstörten.


Carl von Linnè gibt in seiner Flora Lapponica eine Beschreibung des Verfahrens: "Die dichte Milch oder sogenannte Dickmilch der Norrländer erhält man auf folgende Weise: Einige frische, soeben gepflückte Blätter der Pinguicula [Fettkräuter], von welcher Gattung [hier dürfte die Art gemeint sein] man mag, in ein Sieb gelegt, und die soeben gemolkene, noch lauwarme Milch darübergießen." 


Heute kennt man die sämige, mild schmeckende Dickmilch als Filmjölk in Schweden. Bei Wikipedia ist zu ihrer Herstellung vermerkt: "... ein Gefäß [wird] innen mit Fettkraut eingerieben; auf der Wandung siedeln sich dadurch spezielle Bakterienstämme an, wodurch die Säuerung, wenn danach die Milch eingefüllt wird, anders abläuft als bei anderer Sauermilch."[5] 

... hilft auch gegen Läuse und Glatzen

Linné berichtet weiter, dass das Fettkraut mehrere Anwendungsbereiche gehabt hat. Der Saft der Blätter tötet Läuse und heilt Wunden auf Zitzen.


Die Pflanze wird auch gegen Keuchhusten angewendet und Linné gibt an, dass man sein Haar gelb färben kann sowie gegen Kahlköpfigkeit gebrauchen kann. 

Textverweise

[1] Vgl. dazu: Gesellschaft für fleischfressende Pflanzen im deutschsprachigen Raum - G.F.P. e.V.; URL: http://home.carnivoren.org/martin.brunner/pinguicula.htm (abgerufen am 28.09.14) und Wikipedia, die freie Enzyklpädie; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Fettkr%C3%A4uter (abgerufen am 28.09.14)


[2] Vgl. auch: Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, S. 487, Birkhäuser Basel, 1996, ISBN 3764323906, 9783764323905


[3] Vgl. dazu: Gesellschaft für fleischfressende Pflanzen im deutschsprachigen Raum - G.F.P. e.V.; URL: http://home.carnivoren.org/martin.brunner/pinguicula.htm (abgerufen am 28.09.14) und Botanische Gärten Bonn URL: http://www.botgart.uni-bonn.de/o_samm/karni/fett.html (nicht mehr erreichbar)


[4] Vgl. Carl von Linné: Lappländische Reise, S. 88, Gemini Verlag Berlin 2004, © Insel-Verlag Frankfurt am Main 1964. Die Originalausgabe erschien 1737 in Amsterdam unter dem Titel: Flora Lapponica Exhibens Plantas per Lapponiam Crescentes, secundum Systema Sexuale Collectas in Itinere Impensis. Das eingescannte Original ist im Internet zu sehen: Webpage of Kurt Stüber, URL: http://caliban.mpiz-koeln.mpg.de/linne/lapponica/index.html (abgerufen am 28.09.14)


[5] Vgl. dazu: Wikipedia, die freie Enzyklpädie; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeines_Fettkraut (abgerufen am 28.09.14) 

Quellen und weitere  Informationen

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Aktualisiert am 22. Februar 2015